#242 Wünschewagen: Wenn letzte Wünsche wahr werden
Shownotes
In dieser Folge sprechen wir über den Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), der schwerstkranken Menschen ihren letzten Herzenswunsch erfüllt.
Noch einmal das Meer sehen oder ein letztes Mal Fastnacht feiern: Der Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) erfüllt schwerstkranken Menschen ihren letzten Herzenswunsch. Kerstin Richter kennt den Wünschewagen. Sie hat ihre krebskranke Schwester auf einer Wunschfahrt begleitet.
Wie funktioniert das Projekt “Wünschewagen”? Wer kann sich an den Wünschewagen wenden? Und wie ist es für Angehörige, bei einer Wunschfahrt dabei zu sein? Darüber spricht Moderatorin Juliane Eberwein mit ihren Gästen Silke Löser, Projektleiterin ASB-Wünschewagen Ludwigsburg und Kerstin Richter, Leiterin des Kinderpalliativteams am Olgahospital Stuttgart bei Alpha & Omega.
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Transkript anzeigen
00:00:00: Hi, das ist Alfa und Omega der Podcast.
00:00:02: Ich bin Juliane Eberwein.
00:00:03: Ob nochmal das Meer sehen?
00:00:05: Den Lieblingsclub im Stadion anfeuern oder ein letztes Mal bei der Fasnit mit feiern?
00:00:10: Der Wünschewagen vom Arbeiter Samarita Bund erfüllt schwerstkranken Menschen einen letzten Herzenswunsch!
00:00:17: Wie es ist so eine Wunschfahrt zu organisieren – und wie sich's anfühlenden geliebten Menschen dabei zu begleiten darüber sprechen wir heute….
00:00:24: Mit Silke Löser.
00:00:25: Sie arbeitet seit neun Jahren beim ASB-Wünschewagen und leitet den Standort in Ludwigsburg.
00:00:31: Und Kerstin Richter, sie hat im Februar hier auf ihrer Wunschfahrt begleitet.
00:00:38: Herzlich willkommen!
00:00:39: Frau Richter.
00:00:39: – Sie haben gemeinsam mit Ihrer Schwester eine Wunschfahrt gemacht.
00:00:42: Erzählen Sie mal wie kam es dazu?
00:00:45: Meine Schwester wollte unbedingt noch mal auf die Fillinger-Farsnet und ich kannte die Arbeit des Wünschewagens sehr gut.
00:00:52: Ich kenne auch die Silkellöser schon sehr lange, dann haben wir das zusammen organisiert mit dem Team der Palliativstationen, auf den meine Schwester zu der Zeit lag.
00:01:04: Dann lassen Sie uns doch mal einen Schritt zurückgehen!
00:01:05: Was hat Ihre Schwester denn?
00:01:07: Und was war sie denn erkrankt?
00:01:08: Meine Schweste ist ein Eierstockkrebserkrankt.
00:01:11: Das sah zuerst sehr gut aus.
00:01:14: Sie konnte erfolgreich operiert werden, aber dann kam relativ schnell der Rückfall und es war klar, dass sie diese Krankheit nicht überleben wird.
00:01:25: So habe ich sie nach Stuttgart geholt und dann war sie auf der Palliativstation hier bei uns.
00:01:30: D.h.,
00:01:31: welche Prognose hatte Ihre Schwester damals zu dem Zeitpunkt?
00:01:36: Eigentlich dachte man, dass sie nur noch wenige Wochen lebt und Sie hat dann doch deutlich länger gelebt wie wir das alle gedacht haben.
00:01:43: Und das hat uns natürlich sehr gefreut und ich glaube bis heute, dass auch die Wünsche wagen Fahrt war, die ihr nochmal so viel Kraft gegeben hat.
00:01:51: Können Sie uns jetzt beschreiben, wie ging es Ihre Schwester denn insgesamt in dieser Zeit?
00:01:57: Also zu der Zeit, wo wir die Wünschewagenfahrt gemacht haben.
00:02:01: Da war sie schon betlegrig und konnte eigentlich nicht mehr alleine aufstehen.
00:02:06: Sie hatte viele Zugänge liegen um die Schmerzen in Griff zu halten.
00:02:12: Sie konnte nicht mehr essen.
00:02:14: Alles was sie zu sich genommen hat, hat sie erbrochen.
00:02:16: deswegen hat sie auch einen Magensonde gehabt, über die dann die Flüssigkeit abgezogen wurde.
00:02:22: Sie war eigentlich voll umfänglich pflegebedürftig und es wäre nicht möglich gewesen mit einem normalen Auto nach Villingen zu fahren.
00:02:30: Das wär nicht gegangen!
00:02:31: Jetzt klingt es ja interessant, jetzt hört man wie's ihr da gerade ging und sie sagt ich möchte
00:02:38: auf die
00:02:38: Phasnet nach Fillingen gehen.
00:02:40: Warum jetzt gerade auf die phasnet?
00:02:42: Also hat die PhASNET für ihre Schwester eine besondere Bedeutung gehabt oder warum gerade das?
00:02:46: Ja also wir kommen aus Fillinge und in Filling ist die PHASNET die die fünfte Jahreszeit einer der Höhepunkte des Jahres und meine Schwester war da sehr verbunden mit dieser Tradition.
00:02:57: Sie hat in München gelebt aber es war so dass sie jedes Jahr sich eine Woche Urlaub genommen hat und ist dann für die eine Woche nach Fillingen gefahren, hat da die Fastnet mitgefeiert.
00:03:07: Und deswegen war das für sie so ein großer Wunsch, da nochmal hinzugehen, Freunde wieder zu treffen, Familie wiederzutreffen – das war einfach ihr Ding!
00:03:16: Wissen Sie was ich mich frage?
00:03:17: Wenn ich so höre wie es Ihre Schwester ging auch mit, Sie hatte da viele Zugänge... Sie war ja in keinem guten Zustand.
00:03:24: und dann stelle ich mir so die Phasen vor.
00:03:27: Es ist laut, es sind viele Menschen da, es ist vielleicht auch kalt je nach dem ob draußen oder drinnen.
00:03:33: Das ist für eine schwerkranke Person auch kein einfacher Ort.
00:03:39: Hatten sie da Bedenken?
00:03:42: Nicht wirklich!
00:03:44: Ich kannte die Arbeit vom Wünschewagen, ich wusste wie professionell das vorbereitet ist Mein Bruder, der in Fillingen wohnt.
00:03:51: Der hatte das auch sehr gut vorbereitet.
00:03:53: Er ist da beim örtlichen THW.
00:03:55: Der hat er organisiert, dass die Straße abgesperrt wird und der Bündniswagen halten kann.
00:04:00: Der hätte organisiert es am Straßenrand zum Zelt steht wo wir uns unterstellen konnten Und das war einfach supergutorganisiert und dann lief das.
00:04:09: Dann nehmen Sie uns mal mit in den Tag.
00:04:11: Wie ist das losgegangen?
00:04:12: Die Fahrt
00:04:15: Meine Schwester war auf der Palliativstation und da muss ich auch sagen, dieses Team hat super gut gearbeitet.
00:04:20: Die hatten alles vorbereitet, die hatten mir alle Bedarfsmedikamente gerichtet und mitgegeben.
00:04:26: Sie hatte eine Schmerzpumpe, wo also kontinuierlich Schmerzwittel in ihre Wehne lief.
00:04:34: Und dann kamen Wünschewagen.
00:04:36: Wir haben sie eingepackt, auf die Trage gelegt und sind los!
00:04:42: Sie hat sich denn Ihre Schwester gefühlt an dem Tag, war sie stabil?
00:04:47: Ja.
00:04:48: Also sie hat sich wahnsinnig gefreut und ich habe schon so das Gefühl gehabt dass sie noch mal sehr viel Kräfte mobilisiert hat um diesen Tag mitzumachen.
00:04:59: Hinterher war sie sehr fertig.
00:05:01: Die nächsten zwei Tage hat sie durchgeschlafen, muss ich sagen.
00:05:04: Aber den Tag selber hat sie super gut erlebt.
00:05:07: Wir mussten nicht viel machen.
00:05:08: Ich musste ein paar Mal so Bedarfsmedikamente geben aber im Großen und Ganzen lief das gut.
00:05:14: Haben Sie das Gefühl, dass dieser Tag noch mal wirklich ... Ihre Perspektive gegeben hat?
00:05:20: Kann man das so sagen?
00:05:21: Ja!
00:05:22: Das war ganz sicher so.
00:05:25: Sie hat da drauf hingefiebert.
00:05:27: Und meine Schwester war jemand, dem der Freundeskreis unheimlich wichtig war.
00:05:31: und diese Aussicht noch mal alle Freunde von früher zu sehen, das hat ihr einfach wahnsinnig Auftrieb gegeben.
00:05:40: Ihre Schwester ist ein paar Wochen nach dieser Wunschfahrt dann verstorben.
00:05:46: Sie waren bei diesem besonderen Tag nochmal dabei.
00:05:49: was würden sie denn sagen?
00:05:50: Was bedeutet Ihnen die Wunschfahrt heute dass Sie den Tag nochmal zusammen hatten?
00:05:56: Es ist eine wahnsinnigt schöne Erinnerung für alle, die dabei waren.
00:06:04: Und in all der Schwere, die das so mit sich bringt auf einer Palliativstation auf den Tod zu warten war das einfach noch mal ein ganz freudiges Ereignis und ein ganz glücklicher Tag?
00:06:17: Eine Wunschfahrt zur Fastnet.
00:06:21: Das klingt richtig gut!
00:06:22: Wie viel Vorlauf brauchen Sie Frau Löse um ... diesen Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen.
00:06:29: Also ist konkret er den Wunsch?
00:06:32: Es kommt immer natürlich auf den Wunsch an, wo man hin möchte und manchmal liegt es eben dran dass das eine Veranstaltung ist wie hier die Fasnett.
00:06:44: Das sind wir allen Datum gebunden.
00:06:45: ansonsten geben wir uns eigentlich sehr viel Mühe und wissen dass die Menschen wenig Zeit haben und erfüllen die Wünsche innerhalb von ein paar Tagen.
00:06:55: War das hier jetzt genauso in dem Fall, dass es ein paar Tage vorlaufen?
00:06:58: Ja.
00:06:59: Ich glaube knapp eine Woche oder
00:07:00: so.
00:07:00: Ungefähr ne Woche ja.
00:07:02: Aber jetzt sind ja vermutlich, schätze ich mal nicht alle Wünsche so in Anfangszeichen einfach zu erfüllen.
00:07:07: wie ist da die Phase, da gibt's einen festen Tag Da kann man mehr oder weniger einfach hingehen und ich glaube da kommen ja schon auch komplizierte Sachen bei ihnen an.
00:07:18: Was ist denn so das Maximum, wo Sie sagen okay in dem Zeitrahmen müssen wir diesen Wunsch erfüllen oder das setzen wir uns auch selber als Ziel in diesem Zeitraum den Wunscht zu erfülle?
00:07:28: Also in der Regel ist es eine Woche.
00:07:30: Wir versuchen wirklich innerhalb von einer Woche den Wunscht zu erfüllen außer wir sind eben gebunden an gewisse Veranstaltungsdaten zum Beispiel Fußballspiel wenn's natürlich dann der Lieblingsverein und ein Heimspiel sein muss sind wir dann natürlich dran gebunden oder ein Konzert, aber ansonsten sind wir wirklich schnell beim Organisieren und Planen.
00:07:57: Also jetzt mal blöd nachgefragt wie schaffen Sie das in der Woche?
00:08:03: Man muss auch sagen die meisten Wünsche gar nicht so groß wie wir das uns jetzt vorstellen.
00:08:10: Lennen Sie uns noch ein paar Beispiele, wünschen sich dann die Menschen?
00:08:14: Jetzt im Frühjahr, im Sommer kann es auf der Bodensee.
00:08:18: Die Insel Meiner auch nochmal, das Blumenmeer zu sehen, das Wasser hat einfach einen schönen Effekt auf das Gemüt und die Gefühle.
00:08:29: Das können wir verstehen ja.
00:08:31: Aber der häufigste Wunsch den wir erfüllen geht eigentlich nach Hause zur Familie, von der Palliativstation oder vom Hospiz.
00:08:42: Und das sind Sachen die wir jetzt einfach jeden Tag machen können von uns aus aber eben die Menschen das ohne unsere Hilfe nicht schaffen.
00:08:52: Das heißt sie fahren die Menschen dann zu sich nach Hause ins Wohnzimmer in den Garten damit man dort nochmal Abschied nehmen kann.
00:09:01: oder wie müssen wir uns das vorstellen?
00:09:03: Ja, Abschiednehmen.
00:09:05: Sich noch mal mit der Familie zusammen an den Kaffetisch setzen und seinen Lieblingskuchen essen.
00:09:11: Er hat sein Garten geliebt zu Hause über Jahre gehegt und gepflegt Und mit ihm haben wir dann eine Pflanze ausgegraben die er dann mit ins Hospiz als Erinnerung genommen hat.
00:09:25: Jetzt haben Sie gerade gesagt, ganz oft geht die Wunschfahrt nach Hause.
00:09:28: Gibt es denn andere, ich sag mal typische Wünsche?
00:09:32: Typische letzte Wünsche?
00:09:34: Also hauptsächlich sind es tatsächlich Familie und Freunde vielleicht tatsächlich irgendwo an einem Ort mit dem man etwas verbindet vielleicht auch Urlaub gemacht hat.
00:09:45: wie gesagt Bodensee oder mein Konzert nochmal oder ins Stadion zum Fußball ist doch einfach eine ganz andere Atmosphäre im Stadion, selber dabei zu sein.
00:09:55: Wenn der Verein gewinnt als wenn man zu Hause vom Fernseher ist.
00:09:59: Ja absolut!
00:10:01: Damit wir uns das ein bisschen besser vorstellen können erklären Sie mal wie sieht so einen Wünschewagen denn eigentlich aus?
00:10:07: Also an sich ist es ein ganz normaler Krankenwagen aber in schönem Zeichen.
00:10:13: Ganz einfach also.
00:10:16: Es ist alles drin an Notfallausrüstung was wichtig ist Aber nochmal mit mehr Ausstattung.
00:10:25: Also die Trage ist noch mal besonders weicher, wir haben Panorama Fenster damit unsere Fahrgäste eben auch den Blick nach draußen genießen können.
00:10:37: Wir haben ein besonderes Lichtkonzept in dem LED Sternenhimmel und aber auch eine kleine Mini-Bar Mit Lieblingsgetränken und einem kleinen Piccolo zum Anstoßen auf diesem besonderen Park.
00:10:53: Das Wünschewagenprojekt, das gibt es in Deutschland seit Jahrzehntausendviertzehn.
00:10:57: Können Sie uns da eine Größenordnung nennen?
00:10:59: Wie viele Wünschen wurden denn in den letzten Jahren erfüllt?
00:11:02: so ungefähr?
00:11:03: Also wie gesagt, das Projekt gibt's seit Zweitausendverzehn und mit Dreiundzwanzig Standorten bundesweit haben wir jetzt schon über achttausend Herzenswünsche erfüllt.
00:11:12: Wow!
00:11:15: Wer ist bei so einer Fahrt alles dabei?
00:11:17: Wer kommt da mit?
00:11:19: Der Fahrgast, der sich das wünscht.
00:11:21: Und wer die Fahrt dann auch so gestalten wie er sich das vorstellt und dann ist dann auch immer noch jemand dabei, der ihm einen Herzen liegt als eine Begleitperson wie die Schwester oder der Partner.
00:11:37: Die zwei nehmen wir im Wünschewagen mit.
00:11:40: Aber ganz oft ist natürlich auch, es sind noch mehr Familienangehörige oder Freunde.
00:11:44: Oder Arbeitskollegen die sagen, das Event will ich nicht verpassen.
00:11:48: Die fahren dann einfach hinterher?
00:11:50: Also man kann jetzt sich den Wünschewagen einfach voll machen.
00:11:57: Wir haben und natürlich haben wir auch Wunscherfühler mit an Bord.
00:12:00: Ehrenamtliche, die in ihrer Freizeit diese Wünsche erfüllen.
00:12:08: Hauptberuf arbeiten die in der Krankenpflege, Kindergangspflege, Altenpflege oder eben als Arzt im Krankenhaus und oder im Rettungsdienst.
00:12:22: Jetzt sind es ja schwerstkranke Menschen, die bei ihnen im Wünschewagen mitfahren.
00:12:27: Gibt's da vorher eine medizinische Beurteilung?
00:12:30: Ob die Person überhaupt diese Fahrt noch schafft?
00:12:32: wie entscheiden sie das?
00:12:33: denn?
00:12:34: wir haben ein Formular für den behandelnden Arzt, was wir tatsächlich dann der Familien geben und darum bitten um eben eine Einschätzung abzugeben.
00:12:46: Ob derjenige noch transportfähig ist?
00:12:48: Das ist eigentlich das einzigste, was gegeben sein muss.
00:12:52: Wer trägt denn auf der Fahrt die medizinische Verantwortung?
00:12:56: Das machen ja unsere Ehrenamtlichen, die ihr fachliches Know-how mitbringen und sie dabei unterstützen können in Notfall-Situationen.
00:13:07: Aber das heißt, dass sind medizinisch ausgebildete ehrenamtliche Dieter dabei sind?
00:13:11: Da kann ich es nicht einfach jeder sagen.
00:13:13: Das klingt gut!
00:13:14: Ich würde damit machen wollen.
00:13:15: Ja wir möchten einfach... Wir wissen, dass die Menschen schwer krank sind und möchten eben den Familien, den Erkrankten die Sicherheit geben, dass wir adäquat unterstützen können wenn es zu einer Notfallssituation kommt.
00:13:31: Oft ist es ja auch so, dass man, wie Kerstin vorhin gesagt hat.
00:13:34: Man Medikamente verabreichen muss und deswegen braucht man eben Fachpersonal.
00:13:39: Sind Sie da rechtlich irgendwie abgesichert?
00:13:41: Also wenn jetzt auf so einer Wunschfahrt irgendwas sein sollte...
00:13:45: Also der ASB sind das über den ASB die natürlich versichert, die Ehrenamtlichen aber der Fahrgast natürlich willigt ja ein zu der Fahrt und weiß er dann auch.
00:14:02: Das ist natürlich dazu kommen kann, dass wir in der Notfallsituation geraten.
00:14:07: Aber so wie Sie sprechen scheint das nicht als oft vorzukommen?
00:14:10: Nein gar, ja sehr selten.
00:14:13: Was muss ich denn bezahlen wenn ich jemand für eine Wunschfahrt anmelden möchte?
00:14:17: Gar nichts!
00:14:19: Also die Wunschefahrt ist kostenlos für den Fahrgast und die Begleitperson die dabei ist im Wünschewagen.
00:14:26: Ich glaube das müssen sie uns mehr erklären, wie finanzieren sie sich?
00:14:31: Also der ASB trägt die Kosten auf der Wunschfahrt.
00:14:34: Das heißt eine Übernachtung vielleicht, die notwendig ist weil wir länger als einen Tag unterwegs sind Eintrittskarten Vielleicht noch ein Restaurantbesuch je nachdem was denn derjenige sich wünscht.
00:14:49: und Wir finanzieren uns durch Spenden.
00:14:54: Aber auch der AS B hat Mitglieder Und diese Mitgliedsbeiträge fließen in solche Projekte wie den Wünschewagen, die eben anders nicht durch Krankenkassen oder Pflegekasse mit unterstützt werden.
00:15:09: Also das heißt auch wenn es einen größeren Wunsch gibt muss man sich jetzt keine Sorgen machen dass man es irgendwie vielleicht nicht bezahlen kann sondern da unterstützen sie dann auch den Wunsch wahrwerden zu lassen in der Hinsicht.
00:15:21: Frau Richter Sie sind Kinderpaliativärztin am Holger Hospital in Stuttgart Und Sie kennen daher den Wünschewagen auch, also von Ihrer Arbeit eben dort.
00:15:32: Welche Geschichten haben sie denn da schon erlebt mit Kinderwünschen?
00:15:38: Ja ganz unterschiedlicher.
00:15:40: wir haben ein Mädchen mit dem Wünschewagen auf die Insel Für geschickt weil sie so gerne ans Meer wollte und sie war damals schon im Rollstuhl, sie hat einen Hirntumor.
00:15:53: Die sind mit dem Wünschewagen nach Fürge fahren, haben da eine Woche Urlaub gemacht und dann vom Wünschewagen wieder abgeholt worden.
00:16:00: Das war auch ne ganz tolle Geschichte!
00:16:03: Wir haben einen jungen Mann gehabt der mit dem wünsche Wagen nach München ins Fußballstadion gefahren ist zu einem Spiel Bayern München und VfB Stuttgart weil das waren seine beiden Lieblingsvereine.
00:16:17: Das haben wir erlebt.
00:16:19: Wir haben einen anderen Jungen, der wollte unbedingt noch mal in das Ferienhaus in Dänemark, wo er immer mit seiner Familie Urlaub gemacht hat.
00:16:26: Und das hat dann auch geklappt, dass der Wünschewagen ihn eben in das Fährenhaus gebracht hat und wieder zurück.
00:16:33: Das waren die herausragenden, an die ich mich so ... Die längsten Fahrten, glaube ich, an denen ich mich erinnere.
00:16:41: Könntest du mir noch mal helfen, was wir Kinder hier noch geschickt haben?
00:16:44: Ich glaube das waren so die herausragenden Fahrten.
00:16:48: Lassen Sie uns auch über die Robben aufführen.
00:16:51: Lässt sich sowas dann auch in der Woche umsetzen.
00:16:54: Das klingt für mich erst einmal aufwendiger.
00:16:57: Ja da hattet ihr schon viel Planung mit bei dieser Wünschefahrt weil da eine Übernachtung dazwischen geschaltet war Und wir haben natürlich von uns auch auf der Inselför vorbereitet.
00:17:10: Wir haben dann da eben den Inselarzt quasi schon informiert, dass da jetzt so ein schwerkrankes Mädchen kommt.
00:17:18: Ihr habt übernachtet in diesem Übernachtungsort das zuständige Kinderpalliativ-Theme informiert sodass einfach die Absicherung da war.
00:17:27: Das haben wir alles nicht gebraucht, Gott sei Dank!
00:17:30: Aber es wäre möglich gewesen... dass da eingegriffen wird, wenn was notwendig gewesen wäre.
00:17:37: Jetzt sind Sie ja in der Verantwortung als Ärztin.
00:17:41: Gab's Wünsche wo sie sagen mussten... Sorry das können wir nicht machen?
00:17:46: Nee gab es nicht!
00:17:50: Und jetzt so durch Ihre eigene Erfahrung auch als Angehörige haben sich das Gefühl, das hilft den Eltern, wenn sie berichten können, was eine Fahrt noch mal ausmacht.
00:18:02: Sie meinten, wenn ich von meiner ... Das erzähle ich tatsächlich nicht.
00:18:05: Ich erzähl das heute zum ersten Mal so öffentlich.
00:18:08: Ich glaub', dass wissen die Eltern meiner Patienten nicht, dass ich auch so eine Geschichte habe.
00:18:14: Kann mir vorstellen, da ist ja vielleicht auch noch mal eine Amutigung, wenn man zuhört, was
00:18:17: es
00:18:18: für die PatientInnen dann auch nochmal ausmacht?
00:18:22: Ja, ist ne Überlegung!
00:18:24: Frau Löse, was beobachten sie denn?
00:18:26: Welche Stimmung herrscht auf den Wunschfahrten.
00:18:30: Von wir melden den Wunsch an zu, die Wunschfahrt ist vorbei.
00:18:36: Verändert sich das?
00:18:40: Nein eigentlich nicht!
00:18:41: Also es sind Wünsche im Leben und es herrscht immer eine ganz tolle positive Stimmung schon beim Anmelden wenn man dann plant und organisiert wie der Tag abläuft wer dabei ist Und auch dann hört, der Wünsche wagen kommt und macht das.
00:19:04: Es einfach bringt ganz viel Freude in die Familien.
00:19:08: Wenn er dann vor der Tür steht und die Wunscherfülle aussteigen,
00:19:12: dann
00:19:13: können wir auch mal Freuden drehen.
00:19:16: Auch unterwegs ist es natürlich ... Wir wissen dass unsere Fahrgäste nicht mehr lang leben und schwer krank sind aber diese Krankheit tritt in den Hintergrund.
00:19:30: Das ist nicht das Thema.
00:19:31: Da ist wirklich nochmal das Leben genießen in vollen Züben und es machen auch alle.
00:19:36: Hatten Sie schon mal Menschen, die Sorge hatten vor der Wunschfahrt?
00:19:42: Dass sie das durchhalten?
00:19:44: Es sind eher die Angehörigen, die da Angst haben davor und sagen hey das ist so anstrengend, bist du sicher die Fahrgäste, die sich da durchsetzen.
00:19:58: Überzeugen dann eben ihre Familien vom Gegenteil?
00:20:02: Ist das bei den Kindern genauso?
00:20:04: Ja natürlich,
00:20:05: um
00:20:06: Himmels willen, das können
00:20:07: wir auch nicht machen.
00:20:08: Natürlich tatsächlich!
00:20:09: Die Eltern haben oft ganz viel Sorge und das ist dann schon unsere Arbeit zu überzeugen, dass nichts passieren wird weil es so professionell ist.
00:20:19: Das ist so professionel vorbereitet.
00:20:21: und was soll
00:20:23: passieren?!
00:20:26: Frau Lüse, haben Sie den Eindruck, dass die Wunschfahrt den Blick auf den Tod verändert bei den Menschen?
00:20:32: Würden sie so weit gehen.
00:20:35: Es hilft Abschied zu nehmen.
00:20:37: Es helft loszulassen und zwar auf allen Seiten also nicht nur die Menschen, die krank sind sagen okay jetzt das wollte ich erleben Jetzt kann ich loslassen und gehen sondern auch eben die Angehörigen haben nochmal ganz schöne Erinnerungen an denjenigen.
00:20:57: Was glauben Sie denn, was dabei hilft?
00:21:00: Der Spaß.
00:21:02: Das Lachen und das Strahlen.
00:21:06: Man muss gar nicht über diese Gefühle sprechen.
00:21:08: Man sieht einfach wie viel Freude da aufkommt auf den Wunschfahrt.
00:21:13: Und gerade das Lachen ist oft etwas, was dann fehlt, wenn eine lange Krankheit schon vorliegt.
00:21:21: Frau Richter, wie war es bei Ihnen?
00:21:23: Was hatten diese Wunschfahrts als ... Angehörige verändert im Hinblick auf das Wissen, okay mein Schwester wird nicht mehr lange da sein.
00:21:35: Es hat es irgendwie erleichtert und man hatte das Gefühl, man hat noch mal was Besonderes gemacht für sie und zwar so ein bisschen auch wie eine der letzten Dienste die man nochmal für Sie machen konnte Und eben in all der Schwere, also natürlich gibt es ganz viele schreckliche Erinnerungen an die Zeit ihres Sterbens.
00:22:00: War das aber ein Tag, der einfach nur rund um glückselig und positiv war?
00:22:07: In Philling sagt man, man wünscht sich eine glücksellige Fasnett!
00:22:10: Das war so, das war ein glückseeliger Tag und an den erinnern sich alle, die dabei waren, einfach wahnsinnig gerne zurück.
00:22:19: Glaub ich... wie gehen denn die Ehrenamtlichen mit dem Ich kann bevorstehen, schon intensiven Erfahrungen um die man da auf der Wunschfahrt macht.
00:22:26: Also für die Ehrenamtliche sind oft so wenn sie dann ankommen.
00:22:29: Sie kennen ja auch den Fahrgast noch nicht und die Familien aber sie werden ganz herzlich aufgenommen.
00:22:36: Sie waren schon beim Brautbar am Tisch mit gesessen bei der Hochzeit
00:22:41: und
00:22:43: man gehört einfach dazu.
00:22:44: Man wird integriert und man macht das gemeinsam Wunderschön.
00:22:53: Und auch das, was Sie da geben können diesen Menschen ihre Zeit schenken können ... Das ist einfach ... Ja, kommt so viel Dankbarkeit zurück, dass sie das machen und das bestärkt zum Weitermachen.
00:23:09: Jetzt sind Tod- und Sterben ja für viele Menschen echt ein Tabuthema.
00:23:14: Und jetzt die beide haben täglich damit zu tun.
00:23:17: Frau Richter, was glauben Sie denn?
00:23:18: Warum fällt es uns so schwer über's Sterben zu reden?
00:23:22: Weil sie es so wahnsinnig Angst besetzt ist.
00:23:25: Und weil Sterben kennt niemand mehr, also ich glaub das war ja früher anders.
00:23:30: da sind die älteren Menschen in der Familie gestorben und heutzutage wird das Sterben ausgelagert.
00:23:36: Das wird ausgelargert in die Krankenhäuser und in die Hospice.
00:23:40: Deswegen kennt das niemand mehr.
00:23:42: Ich glaube die wenigsten Leute haben überhaupt schon mal jemandem Toten gesehen oder Tote-Menschen gesehen und ich glaub dass macht einfach Angst was man nicht kennt.
00:23:52: Und wenn man diese Menschen, die sterbend sind, sichtbar macht auch durch solche Wünschewagenfahrten.
00:23:59: Weil man die dann sieht ist das vielleicht ein bisschen ... Das Tabu wird vielleicht aufgehoben ein bisschen dadurch.
00:24:07: Würden Sie sagen dass so'n Projekt wieder Wünschewagen dazu beitragen kann den Tod ein bisschen weniger Angst besetzt zu machen?
00:24:15: Ich hoffe das!
00:24:17: Ich glaube, niemand kann sich frei davon machen dass er Angst vor dem Tod hat.
00:24:22: Das haben wir schon alle aber vielleicht ein bisschen weniger.
00:24:27: Frau Löse wie hat denn Ihre Tätigkeit für den Wünschewagen ihre persönliche Sicht auf den Tod verändert?
00:24:38: ich lebe bewusster also ich weiß es zu schätzen das ich gesunde Kinder habe und uns es uns gut geht.
00:24:51: Ja, und das ist wichtig.
00:24:56: Und ich weiß aber trotzdem, dass wir alle irgendwann einmal auch selber sterben werden.
00:25:04: Haben Sie solche Rückmeldungen von Angehörigen schon bekommen?
00:25:07: Dass die sagen, boah, das hat einfach unsere Sicht nicht nur auf die Erkrankung sondern wirklich auf den Tod verändert, würden sie so weit gehen?
00:25:15: Haben Sie die Rückmellung bekommen?
00:25:17: Das macht etwas leichter, den Weg.
00:25:22: Keine Frage, der ist schwer und bleibt schwer.
00:25:24: Aber er macht ihn einfach ein bisschen leichter.
00:25:29: Was würden Sie denn sagen?
00:25:30: Also eine Wunschfahrt dort hin würde ich gerne mal unternehmen hat sich aber noch keiner gewünscht.
00:25:36: haben sie einen Wunsche?
00:25:39: also mittlerweile tatsächlich?
00:25:41: nein also wir haben ganz lange keine Hochzeit gehabt.
00:25:49: Alle fahren auf Hochzeiten, wir nicht.
00:25:52: Aber mittlerweile haben wir sogar im Wünschewagen eine Hochzeit gefeiert mit einer Standesbeamtin also...
00:26:00: Was
00:26:01: bräuchte es denn um mehr von solchen Projekten wie den Wünschewagen zu realisieren?
00:26:08: Menschen die ihr Herz am rechten Fleck haben und sich engagieren auch in ihrer Freizeit dabei zu unterstützen, zu helfen Und ja, natürlich auch spenden.
00:26:22: Das Ganze zu finanzieren.
00:26:25: Wünsche wagen!
00:26:26: Wenn letzte Wünsche wahr werden – das war unser Thema heute von Omega.
00:26:30: Danke an Sie beide, Silke Löser und Kerstin Richter.
00:26:34: Danke, dass Sie da waren.
00:26:35: Übrigens, Alphand Omega der Podcast ist ein gemeinsames Format der katholischen Bistüme Rottenburg-Stuttgart & Freiburg sowie des evangelischen Medienhauses Stuttgart.
00:26:45: Zusehen sind die Sendungen auf den privaten Fernsehsendern in Baden-Württemberg, auf BibelTV und YouTube.
00:26:52: Weitere Infos findest du auf kirchenfernsehen.de und auf redaktionminuskippt.de.
00:26:57: Wenn Du Fragen wünsche oder Feedback hast schreib uns gerne an info at kirchenfernseen.de.
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