#250 Erschüttert und allein? Venezuela nach den Erdbeben
Shownotes
In dieser Folge sprechen wir mit Luisa Ramirez und Annika Reinhardt über das Erdbeben in Venezuela und welche Hilfe die Menschen dort am dringendsten benötigen.
Nach den schweren Erdbeben am 24. Juni 2026 in Venezuela sind die Rettungskräfte noch immer im Einsatz. So auch die Diakonie Katastrophenhilfe. In den betroffenen Gebieten sind zehntausende Menschen obdachlos, die Versorgung mit Strom und Wasser ist unterbrochen und das Gesundheitssystem überlastet. Der Übergangsregierung von Präsidentin Delcy Rodriguez werfen viele Menschen vor Ort fehlende Katastrophenvorsorge vor.
Was benötigen die Menschen in Venezuela am dringendsten? Wie wird diese Naturkatastrophe das Land in Zukunft verändern? Und inwieweit kann der Glaube den Venezolanern noch Hoffnung schenken? Darüber spricht unsere Moderatorin Juliane Eberwein mit ihren Gästen Luisa Ramirez und Annika Reinhardt im Talk "Alpha & Omega".
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Transkript anzeigen
00:00:00: Auch Wochen nach dem vierundzwanzigsten Juni sind noch immer internationale Rettungskräfte in Venezuela im Einsatz, um die Menschen dort nach den schweren Erdgeben zu unterstützen.
00:00:10: Keine leichte Aufgabe für die Hilfsorganisationen!
00:00:13: Auf welche Hilfe die Venezulana konkret angewiesen sind, darüber reden wir jetzt bei Alphan Omega der Podcast.
00:00:19: Ich bin Juliane Eberwein und bei mir zu Gast ist Annika Reinhardt von der Diakonie Katastrophenhilfe und Luisa Ramirez, Venezelanerin, die schon lange in Deutschland lebt, in Venezuela aber noch Freunde und Familie hat.
00:00:31: Herzlich willkommen!
00:00:32: Frau Ramirez Sie wohnen in Deutschland?
00:00:34: Sie haben noch Familie und Freunde in Venezuela im Norden des Landes nicht weit vom Karakas entfernt.
00:00:40: was hören sie von denen?
00:00:41: wie geht's denen?
00:00:43: Also ich komme aus Valencia, da sind eine von Caracas und dort habe ich auch noch Familien gehörige Tanten, Cousinen.
00:00:50: Und die haben das auch sehr gespürt mit dem Erdbeben.
00:00:54: Die haben darüber gesprochen dass die Bewegung sehr gewalttätig war waren sie auch die ganze Nacht draußen, bis es sich sicher gefüllt haben um wieder reinzukommen.
00:01:05: Das war auch so bei Familienmitgliedern in Caracas.
00:01:08: Ich habe aber eine Tante, die sich nicht so leicht bewegen kann und in dem Moment einfach nur gedacht hat das wird sein was Gott will.
00:01:18: Ansonsten hab ich auch Freunde die an dem Tag, also die immer noch vor Ort sind und auch einen Freund mit der mich am Tag... An dem Tag gesprochen hatte bis zwei Stunden vor dem Erdbeben.
00:01:32: Und er war auch das erste, dass ich ... gedacht habe, als ich aufgewacht habe und die Nachrichten gelesen habe.
00:01:40: Und glücklicherweise ging es eben auch gut.
00:01:43: Die Bestätigung von anderen Freunden kam eher spät, weil das dort so spät war in der Nacht.
00:01:51: Also ich hatte Glück.
00:01:53: Ich habe niemanden verloren.
00:01:54: Niemand hat ihre Wohnung verloren aber dieses Glück hatten nicht andere Bekannte, die ihre Familienmitglieder verloren haben.
00:02:05: Auch weil die Hilfe zu spät kam.
00:02:08: Absolut!
00:02:09: Das war ein heftiges Erdbeben also Stärke sieben Komma zwei und Sieben Kommaa fünf.
00:02:15: Was haben Ihnen denn Ihre Familie und Freunde?
00:02:18: Was haben die ihnen von der Nacht erzählt im Nachhinein?
00:02:23: Dass sie stundenlang draußen waren.
00:02:25: es ist immer noch der Fall dass wir da sich nicht trauen in die Wohnung zu gehen.
00:02:34: Manche konnten es irgendwie nicht glauben, dass noch so.
00:02:37: was kommt auf uns.
00:02:40: Es gibt alles herrscht einfach Angst und man weiß nicht wie es dann weitergeht.
00:02:45: aber diejenigen, denen es gut geht sind einfach sehr dankbar, dass das auch so ist.
00:02:52: Und bei den anderen wollen sie sich um ihre Familienmitglieder kümmern, die ihr Leben verloren haben was für alle noch nicht möglich ist.
00:03:04: Was kann man sich hervorstellen?
00:03:05: Sie haben zwei Stunden vor dem ersten Beben, so haben sie gerade gesagt mit einem Freund auch noch telefoniert, Videotelefonat geführt ... Wie muss ich mir den Morgen danach vorstellen?
00:03:18: Sie sind dann ins Bett gegangen und kriegen plötzlich mit, was da in der Nacht passiert ist.
00:03:23: Wie haben Sie das erlebt?
00:03:25: Zuerst wollte ich verstehen, was genau passiert.
00:03:28: Dann hab ich direkt meinen ... Mit Menschen gedacht.
00:03:31: Nicht nur meine Familienmitglieder und Freunde, sondern gerne der Venezolana.
00:03:38: Ich glaube erst nach den ersten Stunden hat man wirklich verstanden was los ist.
00:03:44: Ich habe sogar Tage gebraucht um das wirklich zu nachvollziehen Und ich hatte Angst um Freunde die von denen ich noch nicht gehört hatte hatte aber die Hoffnung, dass es ihnen gut geht.
00:04:02: Und ich glaube wir wenigstens allein.
00:04:05: das ist nicht das erste Mal, dass wir uns so mit krassen Nachrichten aufwachen Aber irgendwie haben wir Strategien entwickelt um mit solchen schlechten Nachrichten umzugehen.
00:04:20: Was geht denn da in einem vor wenn man sieht?
00:04:23: Die Heimat liegt wirklich ins Schutt und Asche.
00:04:26: also was dachten sie als ihr die Bilder gesehen
00:04:29: habt?
00:04:31: Ich habe gedacht, was kann noch kommen für uns.
00:04:38: Es ist ein Land, das dem es nicht gut geht schon seit der Karten und wir haben einfach nicht die Infrastruktur um mit so etwas umzugehen.
00:04:51: Der Gesundheitssektor hat auch nicht die Ressourcen, um die Menschen medizinisch zu versorgen.
00:05:01: Also zivil schütz einfach nicht in der Lage ist, zu helfen und auch einen Staat, der nicht wirklich mal der Wille hat uns zu helfen.
00:05:14: So nehmen wir es wahr.
00:05:16: also nicht nur ich sondern viele andere.
00:05:17: wenn nicht so lange
00:05:19: sind viele zur Unterstützung.
00:05:22: auch dann herbeige eilt unter anderem auch die Diakonie Katastrophenhilfe.
00:05:27: Vor allem Mitarbeiter aus Kolumbien sind von Ihnen vor Ort.
00:05:31: Was führen Sie denn von denen?
00:05:32: Wie geht es denen?
00:05:34: Ja, also das ist richtig!
00:05:35: Es gibt noch ein Regionalbüro direkt in Kolumbian und das war in der Situation sehr hilfreich weil schon zwei Personen direkt vor Ort sein konnten die sowieso schon im Land waren und wir haben gehört dass eine sehr ja dass die Menschen oft noch Angst haben, zum Beispiel zurück in ihre Häuser zurückzukehren.
00:06:00: Und natürlich sind davon auch die Helfenden betroffen.
00:06:04: Auch sie brauchen sichere Unterkünfte und haben teilweise Angst in Unterküften z.B.
00:06:11: zu übernachten.
00:06:11: Das ist ganz wichtig dass man da auch ja sichere unterkünftige zur Verfügung stellt.
00:06:18: Sie nehmen das als eine sehr belastende Situation war natürlich
00:06:23: Es kann man sich kaum vorstellen.
00:06:25: Viele Menschen haben alles verloren, es sind Angehörige verletzt und verschwunden.
00:06:31: Was zählt denn in so einer extremen Situation zu den wichtigsten Dingen die Menschen als Allererstes
00:06:37: brauchen?
00:06:39: Ja, also ganz wichtig ist einfach Wasser.
00:06:41: Also sauberes Trinkwasser zu haben weil gerade nach einer solchen Katastrophe sind oft die Wassermeitungen zerstört und man kann hier sehen die Häuser dort in der Region waren um achtzig Häuser unbewohnbar.
00:06:57: Und die Menschen bekommen dann einmal Zelte damit sie wieder ein Dach über dem Kopf haben.
00:07:02: Sie bekommen Eimer um Wasser aufzubewaren.
00:07:06: Dann bekommen sie Filter damit dieses Wasser auch gefiltert werden kann.
00:07:10: Ein so ein Filter kann neunhundert Liter Wasser filtern, also damit können viele Menschen zum Glück versorgt werden.
00:07:17: Madratzen, Notleuchten, Decken... Also da gibt es ganz viele Dinge für den Erstbedarf wieder wenn er alles verloren hat.
00:07:28: Es ist ja ebenso viele Menschen sind Obdachlos tausende.
00:07:32: was bekommen die von ihnen konkret?
00:07:34: Ja, also konkret ist es so dass die Diakonie Katastrophenhilfe einmal diese Wasserfilter in großen Mengen verteilt.
00:07:40: Damit es diese Trinkwasserversorgung gibt.
00:07:42: dann ist es So das auch die Menschen medizinisch versorgt werden müssen.
00:07:46: oft gibt es gar keinen Zugang mehr zur medizinischer Versorgung und zum Beispiel werden dann Sammelstellen für Medikamente eingerichtet aber auch Die psychische.
00:07:58: Also für die psychische Gesundheit muss natürlich gesorgt werden damit akute Traumata aufgefangen werden können und die Angst der Menschen etwas abgefedert werden kann.
00:08:07: Auch das bieten die Partner von der Diakonie Katastrophenhilfe an, also diese psychosoziale Hilfe.
00:08:13: Genau, es sind immer ein paar Beispiele.
00:08:16: Und Sie hatten vorhin auch gesagt, es gibt Zelte und Matratzen?
00:08:20: Ja, genau.
00:08:21: Also ganz simpel erstmal etwas zu haben dass man geschützt ist und sich auch geschützter fühlt.
00:08:27: also die Obdachlosigkeit ist einfach total stark gestiegen logischerweise Und da braucht es manchmal dann die simpelsten Sachen zuerst.
00:08:38: Sie konzentrieren sich ja vor allem auf die ländlichen Gebiete.
00:08:41: warum genau dort?
00:08:43: Also aus unserer Erfahrung nach ist es so, dass eben in den ländlichen Gebieten man vor allem das Problem hat, dass dort die Hilfe einfach nicht ankommt und die Diakonie Katastrophenhilfe arbeitet mit Partnerorganisation zusammen.
00:08:54: Und das ist in dem Fall dann ein super großer Vorteil weil die Strukturen in den Gebieten bestehen halt schon.
00:09:01: Das heißt wir können diese Menschen erreichen, die sonst eventuell niemand erreicht und das ist einfach ein großes Anliegen.
00:09:09: Wie sieht es mit dem Gesundheitssystem aktuell aus?
00:09:11: Ja, das ist schwierig.
00:09:14: Vieles ist zusammengebrochen einfach den Zugang nicht wirklich da und die Menschen brauchen aber trotzdem noch ihre Medikamente wenn sie zum Beispiel chronisch krank sind oder schwangere müssen versorgt werden.
00:09:27: Kinder- und Jugendliche brauchen auch vielleicht medizinische Unterstützung und das ist gerade sehr schwierig.
00:09:33: ja
00:09:35: Der Freund, über den wir schon gesprochen hatten mit dem sie telefoniert haben in der Nacht von den Beben.
00:09:40: Er ist inzwischen auch als Helfer unterwegs?
00:09:43: Was erzählt er Ihnen?
00:09:46: Er erzählt davon das auch in Karakas.
00:09:48: die Menschen... Also dass die Häuser obwohl sie von außen normaler sehen, dass ihre Strukturen dann sich nicht mehr intakt sind und entsprechend draußen schlafen.
00:10:00: Er erzählt auch davon Es sind eher die Venezuelaner, die für andere da sind.
00:10:07: Natürlich auch Rettungskräfte aus dem Ausland, denn wir unglaublich dankbar sind.
00:10:14: aber... Sogar im dritten Tag nach dem Erdbeben gab es noch keine Hilfe vom Stadt zu sehen und die Menschen mussten mit ihren eigenen Händen ihre Familienmitglieder und Freunden suchen.
00:10:27: Ich habe auch von Menschen gehört, die ihre Familien-Mitglieder noch gehört haben und nach Hilfe gefragt haben und weil diese Hilfe zu spät kam sind sie ums Leben gekommen.
00:10:39: Und es gibt auch die Diasvora, die auch Familienmitglieder vor Ort hat und die wussten zum Beispiel bei einem Fall ein Freund von meiner Kusine seine Eltern.
00:10:50: Er wusste wo sie sind.
00:10:51: er hat versucht danach zu fragen dass sie geholfen werden bis Sie einfach nicht mehr am Leben waren.
00:10:58: also man hört von Solidarität Unter uns.
00:11:02: Wir wissen, dass wir miteinander rechnen können und man hört auch natürlich von der Dankbarkeit, die wir hinzulandern gegenüber den anderen, aber auch gegenüber Organisationen wie die Diakonie Und wir wissen das der Weg sehr lang sein wird.
00:11:19: Es war sowieso für uns lang für den Wiederaufbau des Landes Aber das wird jetzt noch schwieriger und wir brauchen auf jeden Fall die Hilfe.
00:11:29: Würden Sie sagen komplett versagt?
00:11:32: Ja, also es ist die zum Beispiel die Feuerwerke.
00:11:43: Die hatten keine Instrumente mit denen sie arbeiten konnten um die Menschen zu retten.
00:11:47: das ist ein Beispiel.
00:11:50: ich habe auch die Feuerwehr Entschuldigung Danke.
00:11:54: und Es gab auch Informationen, dass manche Rettungsteams aus dem Ausland nicht in das Land konnten.
00:12:02: Das war glücklicherweise bei der Mehrheit nicht der Fall aber trotzdem ist es passiert und die Zivilgesellschaft hat auch ganz viel geleistet.
00:12:11: sie haben da auch Webseiten erstellt, damit man dort ihre Familienmitglieder und Freundinnen posten kann, die verschwunden sind.
00:12:20: Und von der Regierung kam das erst ich weiß nicht nach einer Woche ungefähr.
00:12:27: Ich glaube, mit jedem Venezuelaner, mit dem man sprechen wurde, wurde er oder sie erzählen, dass sich sie vom Staat komplett verlassen gefühlt immer noch.
00:12:37: Und jetzt ist es ja so, es gab vor sechzig Jahren schon mal ein Erdbeben in Venezuela.
00:12:41: Gab's denn danach irgendeine Form von Überwachung?
00:12:46: Nee, leider ist das so.
00:12:46: Es ist auch kein freies Land.
00:12:48: Dementsprechend ... haben auch akademische Akteure darunter gelitten und es gibt auch Informationen aus der einer Universität in Los Andes, die ein System hatte für die Überwachung von solchen Erdbeben.
00:13:09: Allerdings ist das jetzt ... Also es besteht einfach nicht mehr, weil es keine Investitionen mehr gab.
00:13:16: Auch weil viele der Wissenschaftler das Land verlassen mussten und das Problem ist auch beim Bereich der Transparenz.
00:13:25: Die, also die Presse kann wie sie jetzt nicht normal in Venezuela arbeiten.
00:13:29: Dementsprechend wir müssen die Informationen von anderen Venezuelaner auch auf sozialen Medien bekommen und sogar doch das ist schwierig weil X war tatsächlich nicht zugänglich in Venezuela ohne VPN.
00:13:40: Das wurde kurz freigeschaltet nach dem Erdbeben und wieder gesperrt.
00:13:46: Das heißt es ist ein Land was einfach nicht mal die Chance hat um mit sowas umzugehen.
00:13:53: Also da gibt es viel zu tun.
00:13:56: Venezuela hat sich aber ganz konkret auch internationale Hilfe dann gewünscht, deswegen sind sie mit der Diakonie Katastrophenhilfe vor Ort.
00:14:05: also sie kommen jetzt nicht einfach in den Land sondern arbeiten dort ganz bewusst auch mit den Partnerorganisationen lokal zusammen.
00:14:14: Warum ist das so wichtig dass Sie mit den lokalen Kräften zusammenarbeiten?
00:14:19: Ja, also das ist tatsächlich zentral für die Arbeit.
00:14:23: Wie ich auch schon erwähnt habe, es ist so dass die Partner, die ja schon vorher auch vor Ort waren, die Bedarfe der Menschen am besten kennen.
00:14:31: Sie haben auch direkt den Kontakt zu dem Betroffenen.
00:14:34: Das heißt sie wissen was wird denn nun wirklich am dringendsten gebraucht und deswegen kann diese Hilfe auch so schnell so zielgerechtet ankommen.
00:14:40: Also die Spendengelder haben sofort eine Verwendung Und das ist sehr nach Katastrophen so zentrall, dass die Hilfe auch schnell kommt.
00:14:48: Louisa Ramirez gesagt hat, dass wenn man zu lange wartet dann ist eben auch keine Hoffnung mehr da.
00:14:54: Ja deswegen wir sind sehr dankbar für unsere Partner die tolle Arbeit gerade leisten.
00:14:59: Wenn wir nochmal kurz zurückblicken wie würden Sie denn die Humaniläer humanitäre Lage in Venezuela vor dem Beben einschätzen?
00:15:09: Ja, also die humanitärer Lage war auch vorher schon sehr schwierig.
00:15:13: Rund ein Viertel der Bevölkerung war auch auf humanitäre Nothilfe schon vorher angewiesen.
00:15:18: Also gerade Versorgungsengpässe mit sauberem Wasser und Nahrung waren vorher schon ein Thema.
00:15:24: Und das hat sich jetzt natürlich alles noch verstärkt.
00:15:27: Deswegen gab es sogar schon vorher Projekte, die stattgefunden haben im Land weil diese Not schon da war.
00:15:33: Und ein Thema wird ja auf jeden Fall sein, wie können die Menschen mit den psychischen Folgen umgehen?
00:15:40: Wie können sie da konkret unterstützen?
00:15:42: Es gibt psychosoziale Hilfe.
00:15:45: Also die Menschen ... Die Menschen können mit den Mitarbeitenden vor Ort sprechen und Sie merken, dass sie nicht alleine sind.
00:15:52: Und es gibt natürlich auch dort professionalisierte Hilfe also Menschen, die sich damit auskennen und dann gut unterstützen können.
00:16:02: Die Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe, Dagmar Prühen.
00:16:06: Sie sagt für die Hilfe in den kommenden Monaten brauchen wir einen langen Atem?
00:16:11: Was bedeutet das konkret für sie und ist das optimistisch zu sagen in den kommenten Monaten oder müsste man den Zeitraum vielleicht sogar weiterstecken?
00:16:19: Ja man muss ihn schon weiter stecken.
00:16:20: also gerade ist der Plan dass die Diakoniekadastrophenhilfe noch zwei Jahre auf jeden Fall da sein wird und Wiederaufbau beteiligt ist, also auch Strukturen wiederherstellt.
00:16:31: Und da geht es nicht nur um Infrastruktur sondern es geht darum diese gemeinschaftlichen familiären Strukture wieder aufzubauen dass eben die Zivilgesellschaft nach den zwei Jahren stärker rausgeht als sie vorher war weil wenn die Unterstützung wieder weg ist sollen, die Menschen ja trotzdem noch gut zurechtkommen.
00:16:56: Es gibt einen Mitarbeiter in Büro... Der Diakoniekadastrophenhilfe in Kolumbien, Jonathan Schweiger.
00:17:03: Und der hat was ganz beeindruckendes gesagt – ich möchte das gern vorlesen!
00:17:07: Die Widerstandsfähigkeit und die Fähigkeit der Betroffenen mit der Krise umzugehen ist trotz des Ausmaßes beeindruckend auch wenn sie wissen dass sie ihr Materielles haben und gut verloren haben.
00:17:19: klar man sich viele Menschen an ihren Glauben unterkennen dass es wichtigste ist am Leben zu sein um weiterzumachen.
00:17:27: Hat der Ihnen da auch ein konkretes Beispiel geschildert?
00:17:30: Ja, tatsächlich.
00:17:31: Das ist mir noch sehr eindrücklich in Erinnerung und zwar hat Jonathan Schweiger von einer Situation berichtet wo eine Frau in Trümmern stand und es handelte sich um ihr eigenes Haus was eben komplett zerstört wurde durch das Erdbeben Und sie fegte dort und er hat sie dann gefragt wieso sie denn da fegen würde und ihre Antwort war weil sie es nicht mag dass ihr haustreckig ist.
00:17:54: also diese Energie einfach weiterzumachen und irgendwie nicht aufzuhören, zeigt das sehr gut.
00:18:04: Aber es zeigt natürlich auch die ... wie schlimm die Lage ist.
00:18:10: Nehmen Sie, dass ähnlich war so diesen Spirit an Nicht-Auf geben?
00:18:14: Und ich würde fast sagen jetzt erst recht.
00:18:17: Ja, das stimmt absolut.
00:18:18: Ich wollte's auch so beschreiben.
00:18:21: Es ist so ... Ich glaub, es gehört ... gehört schon zu unserer Identität, dass wir weitermachen.
00:18:27: Und wir haben auch natürlich den Traum ein normales Land wiederzuhaben.
00:18:34: Auch das was in den letzten Jahren als Gemeinschaft einfach geleistet wurde zeigt uns ,dass wir das können und es gibt einfach der Wille.
00:18:44: aber Es ist so dass wir auch wissen Wir können nicht ständig nur um überleben sein normal leben, nicht mehr mit solchen so katastrophalen Bedingungen umgehen.
00:18:58: Sie sind ja nachdem sie nach Deutschland gekommen sind auch kein einziges Mal zurückgekehrt?
00:19:04: Warum denn nicht?
00:19:06: Aus verschiedenen Gründen.
00:19:07: also ich habe das Land auch aus dem Grund verlassen weil Ich hatte kaum Hoffnung dass es besser werden wird.
00:19:16: ich sage schon dass die politische Lage sich wahrscheinlich nicht verbessern wird In dem Moment und auch die Unsicherheit hat mein Leben sehr stark geprägt.
00:19:28: Das war ein Grund, warum ich nicht zurückgegangen bin, weil ich mich dort nicht sicher fühlte.
00:19:34: Heutzutage ist es so, dass ich aus der Diaspora heraus aktiv bin mit anderen Venezolanern, also politisch-sozialen und man weiß ... Man ist nicht sicher, wenn man zurückkehrt.
00:19:49: Also noch nicht.
00:19:51: Daher habe ich das noch nicht gemacht, aber mit den Erdbeben ... Ich hatte schon natürlich mehrmals die Gedanken, dass ich mein Land dahin möchte helfen.
00:20:04: Aber wir wissen hier auch einen wichtigen Beitrag leisten, in dem wir auch mit der Gastgesellschaft einfach, dass wir alles erzählen was die Menschen dort erleben und auch erzählen wie man helfen kann.
00:20:19: Wie groß ist denn die Angst gerade dort?
00:20:23: Die Angst also weil viele auch wieder Nachbäden erlebt haben.
00:20:27: es gab auch ganz viele gab es die angst das die strukturen die noch auf rechter halten geblieben sind doch wieder also rundhergehen.
00:20:42: Es gibt einfach die Angst, dass es doch am Ende nicht zu einem demokratischen Übergang kommt.
00:20:49: Wir knüpfen das schon damit zusammen, dass unser Leben doch besser wird wenn wir das tatsächlich haben.
00:20:56: Wie würden Sie das denn jetzt von außen auch beschreiben?
00:20:59: Was hat sich geändert seit dem Besturz von Maduro?
00:21:07: Für die Individuen hat sich nicht viel geändert.
00:21:11: wirtschaftliche Situation ist noch sehr schlimm.
00:21:14: Unsern zunehmendes Dimension auch war, da gab es noch keine Verbesserungen.
00:21:19: Allerdings sieht man dass einige politische Gefangenen freigelassen wurden oder nicht ganz freigelaßen wurden sondern sie müssen immer noch sich präsentieren.
00:21:29: die dürfen noch nicht vor der Presse sich äußern Und es gibt tatsächlich immer noch über fünfhundert politischen Gefangenen, also da gab es noch keine komplette politische Liberalisierung.
00:21:42: Man sieht eher so eine wirtschaftliche Liberalisierung und es gibt auch Zeichen dafür dass es zu Verhandlungen kommen wird zwischen bestimmten Akteuren der Opposition und auch das Erschämens natürlich auch mit dem Druck und der Rolle der USA.
00:21:59: Wie würden Sie das denn einschätzen?
00:22:01: Würden sie sagen Auch durch die Erdbeben politisch, was verändern kann oder vielleicht schneller verändert?
00:22:09: Was ist da Ihre Einschätzung dazu?
00:22:12: Es geht in beiden Richtungen.
00:22:13: Also das regime nutzt es aus auch um die Narrative durchzusetzen dass man die Situation nicht politisieren soll.
00:22:22: und haben Sie darüber gesprochen?
00:22:24: wir werden doch nicht weitere Schritte in Richtung von einem politischen Übergang nehmen.
00:22:33: Allerdings ist es so, dass die Menschen sehr viel Wut spüren durch die Reaktion der Regierung des Regimes, die nicht viel geleistet haben und weil sie sich so verlassen fühlen und das schon seit Jahren so wahrnehmen, gab es schon glaube ich das Risiko, dass es auch zu Protesten kommen kann.
00:22:57: Das habe die die Lage analysiert haben, ob es dazu kommt ist eine andere Frage.
00:23:05: Aber ich glaube das Regime wird natürlich versuchen das für sich selbst zu nutzen und die USA hat auch geäußert dass diese Situation natürlich ändert weil man zuerst mit der medizinischen Versorgung, mit den Rettungseinsätzen anfangen muss.
00:23:24: aber die Bevölkerung scheint eher wirklich einen politischen Übergang zu wollen
00:23:29: Also ein Land in dem ganz viel im Aufbruch und im Umbruch ist.
00:23:34: Die Diakonie Katastrophenhilfe hält sich bewusst ja auch aus diesen politischen Diskussionen raus, warum?
00:23:44: Unser größtes Ziel ist immer, dass wir den Menschen vor Ort helfen können.
00:23:48: Und wenn wir zum Einsatz kommen sind eben oft auch in Kriegsituationen oder Situationen wo die politische Lage eben schwierig sein kann und wir müssen immer weiterfähig bleiben dort zu helfen.
00:24:02: Wenn wir uns politisch äußern dann ist es natürlich eine Gefahr das wir einfach nicht mehr an die Menschen kommen und das darf nicht passieren.
00:24:12: Was befähigt sie denn zu helfen?
00:24:16: Wie meinen Sie genau?
00:24:19: Sie können, wenn ich das richtig weiß nur mit dem arbeiten was sie auch... bekommen.
00:24:25: Also sie haben da keinen großen Geldtopf stehen aus, den Sie schöpfen?
00:24:29: Sondern sind darauf angewiesen dass andere auch sagen wir finden das ist eine gute Sache das unterstützen wir richtig ja
00:24:34: richtig das stimmt.
00:24:35: deswegen ist diese Aufmerksamkeit auch gerade total wichtig auf das Thema weil wenn es keine Aufmerksamkeit gibt dann gibt es doch keine Spendengelder.
00:24:43: und auch bei dieser Katastrophe sind gerade die Spendngelder dafür die wir sehr dankbar sind und wir wissen aber auch wir werden noch zwei weitere Jahre dort bleiben.
00:24:53: uns sind auch dann noch in der nächsten Zeit angewiesen auf Spenden.
00:24:56: Und die sind einfach ja das Rückgrat der Hilfe, das kann man schon so sagen.
00:25:01: Geben Sie uns mal einen Eindruck von wie viel Euro bewirken was?
00:25:05: Ja gerne.
00:25:06: also zum Beispiel ich habe die Wasserfilter erwähnt.
00:25:09: und da ein Filter kann sechzig Personen pro Tag mit Wasser versorgen und kostet achtundfünfzig Euro.
00:25:16: Also das wäre ein Spendenbeispiel.
00:25:18: oder wenn eine Familie einen vier Personenzelt bekommt dann ist, beziehungsweise zwei Zelte wären dann hundertzehn Euro.
00:25:27: Also ja um so einen Eindruck zu bekommen wie viel Geld denn eigentlich für was benötigt wird.
00:25:33: Sachspenden sind eher nicht das Ding weil Sie gar nicht wissen wo sie es lagern sollen?
00:25:37: Ja und wir arbeiten auch lokal wie möglich und international wie nötig.
00:25:42: Das bedeutet wir versuchen alle Sach-Dinge die wir brauchen vor Ort zu bekommen.
00:25:50: Das stärkt auch dort die Wirtschaft und die Wege sind kürzer, es geht schneller.
00:25:53: Deswegen ist es logistisch auch viel besser für die Menschen das vor Ort zu holen.
00:25:58: Und auch direkt vor Ort gibt's eine Spendenorganisation, die Sie unterstützen, Healing Venetzoela also Heilung Venetsoela.
00:26:05: Für was werden da konkret Spenden
00:26:07: gesammelt?
00:26:08: Also es wurden Spende dafür gesammeld um die Rettungskräfte zu unterstützen genauer gesagt von der denn aus der Universität Zentral de Venezuela in Caracas und sie spezialisieren aber eher auf die medizinische Versorgung, also schon vorden Erdbeben.
00:26:27: Aber auch vor allem jetzt natürlich weil der Bedarf stark groß ist so dass es dort wo Sie jetzt unterstützen.
00:26:34: Ich sage ganz herzlichen Dank an Sie beide.
00:26:36: Schön, dass Sie da waren!
00:26:37: Übrigens – Alphand Omega der Podcast ist ein gemeinsames Format der katholischen Bistüme Rottenburg-Stuttgart und Freiburg sowie des evangelischen Medienhauses Stuttgart.
00:26:48: Zusehen sind die Sendungen auf den privaten Fernsehsendern in Baden-Württemberg, auf BibelTV und YouTube.
00:26:55: Weitere Infos findest du auf kirchenfernsehen.de und auf redaktionminuskip.de.
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