#255 Wann Stille gut tut und wann nicht - Eric Pfeifer aus Freiburg über seine Stille-Forschung
Shownotes
Sie kann sehr unangenehm sein – oder im anderen Fall - wünschen sich Menschen viel mehr davon: Es geht um die Stille. In dieser Episode geht es um die Fragen: Wann ist Stille ein großes Plus für unser Leben und wo liegen Stolperfallen, wenn wir Stille um uns herum haben - darüber spricht Caroline Haro-Gnändinger mit Stille-Forscher Eric Pfeifer von der Katholischen Hochschule Freiburg.
Weiterführende Links:
https://www.kh-freiburg.de/de/hochschule/profil/personen/pfeifer-eric https://www.stille-stunde.com/ https://www.moment-cafe.ch/
Alpha & Omega ist eine 30-minütige Talksendung über gesellschaftliche und soziale Themen. Die Sendung ist eine Gemeinschaftsproduktion der Diözese Rottenburg-Stuttgart, der Erzdiözese Freiburg und der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sie wird von der Multimedia-Redaktion der Evangelisches Medienhaus GmbH und der katholischen Fernsehredaktion KiP-TV produziert. Zu sehen sind die Sendungen bei den privaten Fernsehsendern in Baden-Württemberg und bei BibelTV und bei YouTube:
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Transkript anzeigen
00:00:02: Und wenn wir dann von zweihundert Prozent Leistung aus unserem Leben hinausgehen und den Katt setzen, und vielleicht in einen solchen Schweigeretrieb ins Schweigekloster gehen, dann könnten wir vielleicht analog dazu uns das Bild hernehmen.
00:00:17: Das wäre wie wenn Sie mit einem Auto mit zweihundert km auf der Autobahn fahren und die Handbremse ziehen.
00:00:22: Hallo ich bin Caroline Harro-Gnendinger und bei uns bei Alpha & Omega hört ihr jetzt alles rund um Stille!
00:00:29: Erik Pfeiffer aus Freiburg von der Katholischen Hochschule erforscht nämlich die Stille, wie sie auf uns wirkt.
00:00:37: Es geht darum, wie ihn selbst Stille geprägt hat – was ein Stille-Kaffee ist, warum religiöse Menschen auch die Stillesuchen und warum Stille oft schwer auszuhalten ist….
00:00:50: Und es gibt eine kleine Stilleübung für jeden zu Hause!
00:00:53: Zu sehen gibt's unseren Talk auch.
00:00:55: Alles dazu in den Show-Notes.
00:00:57: und jetzt erst mal zum Hören, los gehts!
00:01:01: Jetzt würde ich erstmal sagen im Alltag sind doch sehr viele Geräusche um uns herum.
00:01:06: selbst wenn nicht im Wald spazieren gehen zwitschert er mal irgendetwas.
00:01:10: also was würden sie sagen?
00:01:11: Was ist Stille eigentlich genau?
00:01:14: Tatsächlich lässt sich vielleicht festhalten dass es diese absolute Stille für uns Menschen gar nicht gibt.
00:01:21: Wir können also vermutlich gar nicht von einer absoluten Stile sprechen, denn soweit ich weiß hat im Moment glaube ich ein Büro einen Standortbüro von Microsoft den stillsten Raum der auf der Welt existiert.
00:01:36: Der wurde speziell konstruiert.
00:01:38: so schallt tot wie möglich und selbst wenn wir uns als Menschen da hineinbegeben fangen wir irgendwann an Körper eigene Geräusche zu hören.
00:01:45: Also den Verdauungsapparat das Blutrauschen die Knochen die sich hörbar machen.
00:01:51: Das würde also bedeuten, selbst in einem solchen Raum existiert die absolute Stille für uns Menschen nicht.
00:01:58: Wir könnten also höchstens von unterschiedlichen Formen der Stille sprechen vielleicht von relativen Stilennen und dann bräuchten wir schon den Plural.
00:02:07: D.h.,
00:02:07: Sie beschäftigen sich auch mit relativer Stille?
00:02:10: Ja!
00:02:11: Sie sind auch viel relativer stille aufgewachsen und zwar in den Alpen haben sie mir erzählt.
00:02:18: Wie kann ich mir das vorstellen?
00:02:19: wie still war es denn dort?
00:02:21: Ja, vielleicht stellen Sie sich ein kleines Dorf vor in den Alpen Österreichs.
00:02:26: In Vorarlberg im kleinsten Bundesland.
00:02:28: Es gibt viel Winter-Tourismus es gibt noch Landwirtschaft und viel Natur Und für mich war das etwas was sich sehr eingeprägt hat wenn ich Zeit in den Bergen verbracht habe oberhalb der Baumgrenze.
00:02:42: dann wird die Luft so klar und es verändert sich einfach etwas.
00:02:45: Es wird die Geräuschkulisse eine andere ja es wird stiller.
00:02:50: Das war immer wieder für mich eine sehr eindrückliche Auseinandersetzung und Begegnung mit dieser Stille.
00:02:56: Und hat sie dann anscheinend auch sehr geprägt, dass Sie sich heute damit beschäftigen?
00:03:00: Sie sind jetzt heute Professor für Psychotherapie-, Musiktherapie-, Ästhetik- und Kommunikation in Freiburg an der katholischen Hochschule.
00:03:09: Ich würde mal sagen, Freiburger ist schon eher trubelig also mit Studierenden, mit Touristen.
00:03:14: Gibt es dort aber auch relativ stille Orte?
00:03:17: Ja, ich glaube ein großer Vorteil von Freiburg ist dieser Schwarzwald vor der Haustür.
00:03:23: Und das ist doch eine wunderbare Sache mit wenig Zeitaufwand sich relativ schnell im Schwarzwald zu befinden und dort einen Abendspaziergang machen zu können um den Tag noch nachklingen zu lassen um sich vorzubereiten auf die Aufgaben in der Zukunft liegen um Gedankenkreisen zu lassen und sich ein Stück weit vielleicht auch zur Ruhe begeben zu können.
00:03:44: Ich schätze es als Ritual abends sehr
00:03:47: Also gehen Sie jeden Abend in den Wald, wenn möglich.
00:03:51: Ich nehme es mir vor, ob es gelingt kann ich nicht immer sagen aber das ist zumindest der Wunsch danach da ja?
00:03:58: Sie machen ja auch Musik nenns unter anderem Ambient Minimal Electro Jazz und haben auch schon in Kirchen und im Stadtklosste Karsruhe gespielt.
00:04:07: Und da, ich habe mal reingehört gibt's immer wieder Pausen.
00:04:10: also auch Stille Macht es einfach so ein Musikstück ein bisschen spannender.
00:04:15: oder warum haben Sie dort stille eingebaut?
00:04:18: Schön, wie Sie das einleiten.
00:04:21: Wir könnten hier vielleicht John Cage auch hernehmen dieser sehr berühmte Komponist-Philosoph, vielleicht auch Künstler in ganz besonderer Art und Weise der einmal gesagt hat dass Musik eigentlich das Zusammenspiel von Klang und Stille ist.
00:04:40: Übersetzen wir das würde das bedeuten, dass es eine Musik ohne Stille gar nicht geben könnte.
00:04:45: Stellen wir uns einmal vor sie gingen auf ein Konzert zu ihrer Lieblingsband und die musizierenden würden pausenlos nonstop musizieren.
00:04:53: alle zusammen auf der Bühne
00:04:54: wäre anstrengend
00:04:55: Es wär ne Krakophonie ist fast nicht auszuhalten wahrscheinlich.
00:04:59: Wir brauchen also diese Pausen in der Musik.
00:05:01: und um auf ihre Frage zurückzugehen Ja ich glaube Gerade an den Orten, an denen ich dann musizieren durfte.
00:05:09: Das Album ist beispielsweise als Liveaufnahme in einer Kirche in Freiburg entstanden, in der Kirche Sankt-Urbanen in Herdern.
00:05:16: Das ist eine Kirche mit einer wunderschönen Akustik.
00:05:19: die hat eine Holzdecke drin und ich weiß noch wie ich mich mit dem Fahrrad getroffen habe und auf dem Klavier den ersten Ton gespiegelt habe und gedacht hab wow was geht denn hier ab?
00:05:29: Also es ist also musizierender sofort die Anfrage eigentlich da sich zu reduzieren Pausen Stille einzubauen.
00:05:37: Es hat einfach ganz anders gewirkt, in diesem Raum so einen Ton reinzuspielen und haben gesagt das können wir nicht dauerbeschallen sondern braucht es auch Pause damit's besser wirkt.
00:05:47: Das wären für zu viel ansonsten.
00:05:51: Stille scheint ja immer mehr Menschen zu interessieren, haben sie mir auch gesagt woran machen Sie das fest oder woran könnte das liegen?
00:05:58: Wird die Welt tatsächlich lauter?
00:06:00: wird unser Alltag lauter oder nehmen wir es einfach noch viel mehr wahr?
00:06:04: wie sehen Sie das?
00:06:06: Es könnte ein Zusammenspiel aus verschiedenen Gründen sein, um auf diese Frage – oder wird die Welt wirklich lauter?
00:06:13: Das wird ein bisschen ambivalent zwischbältig diskutiert.
00:06:16: Aber wenn wir jetzt zum Beispiel einmal her schauen und hinschauen was die WHO, die Weltgesundheitsorganisation im Moment an Daten liefert da gibt es beispielsweise Studien, die zeigen dass uns als gesamte Menschheit auf der Welt über eine Million gesunde Lebensjahre abhandengehen durch Lärmbelastung, vor allem Verkehrslärm.
00:06:37: Wir könnten also vielleicht sagen, dass sich die Art des akustischen Umfelds für uns Menschen verändert hat oder das die Zunahme an akustischem Reizen gegeben ist.
00:06:49: und in der Regel ist es ja oft so, dass wenn eine Seite eine Kraft zunehmt auch die Gegenkraft zunimmt.
00:06:56: Also wenn wir sagen würden, naja Lärm nimmt vielleicht zu, Akustische Reize nehmen zu.
00:07:02: Dann ist vielleicht auch die Sehnsucht nach Stille etwas das wächst wenn ich beispielsweise schaue, wie Menschen in U-Bahnen sitzen.
00:07:11: In Großstädten oder in Cafés oder Studierende mir erzählen dass sie in WG ist Neuskänzling Kopfhör aufsetzen nicht um Musik zu hören sondern um sich in die Stille zu begeben um sich abzuschirmen von der akustischen Reizüberflutung oder um zu lernen vielleicht auch.
00:07:28: also irgendwo scheint eine Sehnsucht nach Stille da zu sein in unserer Zeit und in unserer Gesellschaft.
00:07:35: Das heißt aber, es gibt wahrscheinlich mehr Autos und dadurch mehr Stress oder man wohnt eher in Beengten.
00:07:43: Ja also in der WG, einfach an Orten wo viel mehr Menschen zusammen treffen als noch vor ein paar Jahren würden sie sagen und deshalb haben manche Menschen das Bedürfnis mal da auszusteigen?
00:07:53: Vielleicht ja.
00:07:54: vielleicht ist das tatsächlich eine Tendenz.
00:07:57: möglicherweise ist es auch so dass wir schlicht und einfach Oder wenn ich so sagen darf, als Beispiel den Bestseller von Erling Kage.
00:08:07: Von diesem bekannten Autoren aus Norwegen, der dieses Buch geschrieben hat Stille oder im Englischen Silence in the Age of Noise – Stille im Zeitalter des Lärms.
00:08:17: Da gibt es eine wunderbare Zeile darin.
00:08:20: Stille ist ein neuer Luxus unserer Zeit und wenn wir auf die Wohnsituation eingehen, die Sie gerade erwähnt hatten Dann hat das auch eine Schattenseite, denn es zeigt sich dass Menschen die socioökonomisch höher angesiedelt sind in stilleren Gegenden leben können.
00:08:38: Weil sie sich das Leben an einem ruhigeren Ort leisten können während das andere Menschen nicht können.
00:08:44: also stille scheint vielleicht wirklich auch ein Luxus gut zu sein.
00:08:48: Sie erforschen ja tatsächlich Stille?
00:08:50: Also jetzt nicht als Physiker sondern was Stille mit uns macht.
00:08:54: wie machen sie das denn?
00:08:56: haben sie so ein Beispiel?
00:08:57: Ja, wir untersuchen wie Menschen Stille wahrnehmen und wie Stille wirkt.
00:09:03: Das ist in dem Sinne gar nicht so kompliziert.
00:09:08: Wir nehmen in der Regel eine spezifische Zeit an Stille her im Schnitt sechsundhalb Minuten Und schauen einfach mal wie Menschen diese Phase von sechsundhalten Minuten Stille in unterschiedlichen Bedingungen wahrnehmen Beispielsweise allein in einem Raum zusammen mit anderen in einem Raum, draußen im Stadtgarten und draußen im Wald.
00:09:29: Manchmal auch gekoppelt an eine therapeutische Tiefenentspannung als Einleitung oder Anbahnung der Stille.
00:09:35: Und zuletzt haben wir sogar untersucht, wie Menschen Stille wahrnehmen in einem Floatation Rest.
00:09:41: In einer Kabine die sieht so ein bisschen aus wie eine überdimensionierte Duschkabine, die mit Salzwasser gefüllt ist also Wasser das einen recht hohen Salzgehalt hat sowie am Toten Meer.
00:09:52: und wenn sie sich da reinlegen dann ist es wie im Schwebezustand.
00:09:55: Warum?
00:09:56: Also das ist jetzt keine natürliche Umgebung.
00:09:58: Warum sagen Sie, dass es wichtig für eine Erforschung was Stille mit uns macht?
00:10:01: Das
00:10:02: hat sich aus einer Kooperation mit Dr.
00:10:04: Mark Wittmann ergeben der in Freiburg ein Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychoäogene arbeitet Und wir zusammen seit über zehn Jahren jetzt diese Freiburger Stilestudien bewerkstelligen.
00:10:16: Wir sind ein gut eingespieltes Team und Marc hat eben vor einiger Zeit eine solche Floating-Cabin anschaffen können in Freiburg, dann haben wir uns gedacht das nutzen wir doch gleich mal und machen auch da eine Stilistudie daraus.
00:10:31: Und dieser Ort mit dem Salzwasser?
00:10:34: soll er irgendwie das Meer repräsentieren?
00:10:37: oder wofür steht dieser Raum?
00:10:39: An sich ist die Idee dahinter, dass es eine recht reizarme Umgebung simuliert für uns Menschen.
00:10:46: Man kann hier das Licht ausmachen, dann wird's also sogar vom visuellen her runtergefahren Es ist akustisch rechtsrückgefahren.
00:10:54: Es hat also was von so einer wohlbehüteten, sicheren Umgebungen.
00:11:00: Die Studien haben bisher gezeigt, dass er sich sehr positiv auch auf depressive Störungen und Angststörungen auswirken kann.
00:11:08: So als Fazit, also Sie machen das ja regelmäßig diese Studien und dann an den verschiedenen Orten.
00:11:14: Was konnten sie so insgesamt herausfinden?
00:11:17: Also was macht stille mit uns?
00:11:20: Überraschendes!
00:11:22: Dass die Teilnehmenden in meisten Fällen einschätzen dass sie sich nach dieser Phase der Stille deutlich entspannter gefühlt haben im besseren Stimmung emotional weniger erregt dass sie kaum oder gar keine Langeweile empfunden haben und das beispielsweise auch diese negative Form des Gedankenkreisens abnimmt.
00:11:44: Das wird auch als Rumination bezeichnet.
00:11:47: Also dieses Kreisen um Aspekte, die in der Zukunft liegen, die ich noch gar nicht beeinflussen kann oder um Gedanken, die im Vergangenheit orientiert sind und stattdessen zeigt sich eine ganz starke Fokussierung auf das hier-und jetzt-auf-die-Gegenwart.
00:12:01: Und das ist ja wiederum therapeutisch sehr relevant weil die Gegenwart die einzige Form ist... Die einzige Zeitform, in der wir etwas verändern können.
00:12:12: In der Zukunft die Dinge können wir noch nicht ändern, in der Vergangenheit die auch nicht mehr.
00:12:16: Das heißt aber ist ja sehr relevant für therapeutische Behandlungen weil gerade diese negative Form des Gedankenkreisens oft einhergeht als Symptom mit Zwangserkrankungen, Angststörungen, depressiven Störungen.
00:12:29: Es ist aber schon erstaunlich oder?
00:12:31: Weil ich würde mal sagen wenn ich jetzt im Stille bin dann fängt doch viel eher das Gedankenkreisen an.
00:12:37: Aber sie sagt bei ihren Studien war es nicht so
00:12:40: Tatsächlich nicht, also wir waren selbst auch überrascht.
00:12:44: Man müsste vielleicht noch hinzufügen dass sogar immer dann wenn diese Studien in einer Naturumgebung stattgefunden haben und da kommt jetzt vielleicht ein wichtiger Faktor nach dazu Wenn eine professionelle Person anwesend war die das ganze gerahmt und begleitet hat Dann wurden diese positiven Ergebnisse nochmal zusätzlich gepusht.
00:13:04: könnte man vielleicht
00:13:04: sagen Was genau passiert denn im Herrn-Beistille?
00:13:09: Beziehungsweise, wenn wir keine Stille haben und zum Beispiel bei einem Konzertdauerbescheid würden.
00:13:13: Was würde dann nicht passieren im Herrn?
00:13:16: Stellen wir uns das so vor eine Person die Hochleistungssport betreibt, die bereitet sich ja auf den Wettkampf, auf diesen besonderen Zeitpunkt vor wann die Höchstleistungen abgerufen werden muss.
00:13:29: Dann wärmt sich die Person auf und dann kommt der Punkt wo die Höchsleistung abgeruft wird um danach wieder sozusagen abzukühlen, runterzufahren.
00:13:39: Und Ähnliches verhält es sich mit dem Gehirn.
00:13:42: Wenn wir den Gehirntauerreize zuführen und damit meine ich jetzt auch akustische Reize führt das irgendwann zu einer Überlastung.
00:13:48: Das kann zu einer Reizüberflutung führen die dem Gehör nicht gut tut.
00:13:53: Ein gesundes Gehirn, ein gesunder Mensch, eine gesunde Psyche braucht also auch die Phasen wo das Gehirnt mit weniger akustischen Reizen versorgt wird.
00:14:02: Wo das heruntergefahren werden kann.
00:14:04: Es braucht also dieses gesunde Wechselspiel zwischen Akustischem Reiz gegeben und weniger akustischen Reiz.
00:14:12: Ich denke, hier war ein Verweis der berühmte britische Kinder- und Jugendlichen Psychoanalytiker und Psychotherapeut Donald Winnicott, der einmal geschrieben hat, dass bereits das Kleinkind der Säugling Phasen des Alleinseins in Stille benötigt um sich gesund entwickeln zu können.
00:14:33: Das heißt nicht, dass das Kleinkind schreiend alleine gelassen wird sondern In Anwesenheit einer Fachart, einer Bezugsperson eines Elternteils.
00:14:42: aber eben diese Phase des Alleinseins in Stille als etwas Hochbedeutsames für die menschliche Entwicklung.
00:14:50: Und kommen wir nochmal auf Stille.
00:14:52: was Spiritualität angeht also für Menschen die religiös sind spielt es ja auch eine Rolle zum Beispiel bei Meditieren.
00:14:59: oder dann gibt's stille Klöster, stille Kirchen Und deshalb habe ich hier auch mal eine Bibelstelle mitgebracht.
00:15:06: Das ist eine Geschichte vom Propheten Elia, ich lese einfach einmal vor ... Nach dem Sturm kam ein Erdbeben, doch der Herr war nicht im Erdbäben.
00:15:16: Nach dem Beben kam ein Feuer, doch er war nicht in Feuer und nach dem Feuer kam ein sanftes leises Säuseln, so steht es im ersten Buch der Könige.
00:15:26: D.h.,
00:15:27: in diesem Säusel kann man Gott wahrnehmen.
00:15:30: Ich stelle es mir so vor, dass ich in der Stille offener bin für Gott wenn ich gläubig bin.
00:15:36: Wie sehen Sie dieser Stelle?
00:15:38: Das ist eine sehr schöne Metapher ein sehr schönes Bild das sich hier skizzieren auch.
00:15:45: Ich denke gerade an zwei Personen einmal an Anzeln Grün und einmal an Viktor Frankl den Begründer der sinorientierten Psychotherapie.
00:15:53: bei beiden lässt sich nahelesen anscheinend zu den besten Gedanken gekommen sind, wenn sie alleine spazieren in Stille waren.
00:16:02: Also solche stile Momente die auch hier dargestellt werden dass das Optionen sind wo wir innere Einkehr tätigen können wo wir uns aber vielleicht auch über die spirituelle Ebene einer gewissen Transzendenz hingeben können also dem öffnen hin zur Welt zu unseren Mitmenschen Ebenen, die stark an etwas Religiöses gekoppelt sind.
00:16:28: An Frankl denke ich deshalb auch an Viktor Frankl weil er einmal geschrieben hat dann wenn wir alleine sind in Stille das ist vielleicht der Moment wo wir die intimsten inneren Selbstgespräche führen und es bestünde doch die Möglichkeit dass der Partner unserer Inneren intimsten Selbstgespreche dann Gott sein könnte.
00:16:50: Gleichzeitig können man auch sagen Gott is im Alltag also so Sehen es Christen auch, also ein bisschen auch einen Gegensatz.
00:16:57: Also einerseits braucht man stille und andererseits kann man Gott im Alltag entdecken.
00:17:01: Also sehen Sie das als Widerspruch oder sagen Sie nächstes?
00:17:04: Kann sich eigentlich ganz gut ergänzen!
00:17:07: Ich sehe das nicht als Wiederspruch im Gegenteil.
00:17:09: was wäre wenn wir uns vorstellen würden jetzt in einer Zeit wo Menschen wieder mehr anfangen über Stille zu reden, wo das wieder Thema des gesellschaftlichen Diskurses wird?
00:17:21: wäre nicht die Stille vielleicht auch ein Gefäß oder ein Raum, eben auch spirituelles und religiöses wieder mehr in unsere Gesellschaft rücken zu lassen.
00:17:29: Ich würde gerne das vielleicht als Frage oder als Gedanke so auch mitgeben oder vielleicht doch als Einladung.
00:17:36: Kommen wir jetzt nochmal auf die schwierigen Seiten von Stille.
00:17:38: also für manche ist ja auch Stille etwas nicht so angenehmes.
00:17:42: sie fühlen sich einsam gerade wenn niemand zum Sprechen da ist.
00:17:46: ab wann wird denn Stille schwierig?
00:17:49: Da sprechen sie etwas sehr Wichtiges an und ich glaube, wir müssen das auch immer mitdenken.
00:17:53: Den Stille ist nicht per se ein positiv besetztes akustisches Phänomen.
00:17:57: es ist auch kein Allheilmittel sondern es gibt eben auch die Schattenseiten.
00:18:01: wenn Sie beispielsweise Stille einmal auf Wikipedia berufen dann wird dort Stille ja als Instrument der Folter erwähnt.
00:18:08: Ich denke hier unter anderem auch etwas was Eltern etwas Stimmiges dass Eltern tun können ist wenn sie ihre Kinder mit Schweigen mit Stille bestrafen.
00:18:18: oder stellen wir uns einen Menschen vor, der auf grundschrecklicher Situation in einem Herkunftsland flieht und in einem neuen Land ankommt wo er oder sie die Sprache nicht verstehen kann.
00:18:29: Also eine Sprachonmacht besteht, eine Sprachelosigkeit oder gewisse traumatische Erfahrungen uns im Leben dazu bringen dass wir die Sprachen verlieren weil es viel zu schlimm ist um über diese Situation sprechen zu können.
00:18:43: Das verkehrt man quasi ins Schweigen.
00:18:45: Ja genau Also, die Stille auch eine negative Kronotation haben kann in der Hinsicht.
00:18:52: Ja, Stille kann eben sehr unangenehm sein.
00:18:54: Ich hab's auch mal selbst ausprobiert bei einer Schweigerauszeit.
00:18:59: Da gab es eben ein Rahmenprogramm und Gesprächsmöglichkeiten.
00:19:02: Trotzdem ist es mir sehr schwer gefallen.
00:19:04: Ich habe das nicht komplett durchgezogen, sondern auch mal telefoniert oder andere Dinge an mich angeschaut.
00:19:10: Was macht das so unerträglich eigentlich?
00:19:15: Wir bewegen uns in Zeiten, in denen wir oftmals beruflich gefordert sind.
00:19:19: In denen uns vielleicht auf der familiäre Alltag fordert.
00:19:22: In dem dann vielleicht die eine oder andere Krise gerade auch noch aufploppt.
00:19:28: und wenn wir dann von zweihundert Prozent Leistung aus unserem Leben hinausgehen und den Katt setzen und vielleicht in einen solchen Schweigeretrieb ins Schweigekloster gehen Dann könnten wir vielleicht analog dazu uns das Bild hernehmen.
00:19:42: Das wäre, wie wenn Sie mit einem Auto mit zwei Hundert km auf der Autobahn fahren und die Handbremse ziehen.
00:19:48: So plötzlich?
00:19:49: Ja
00:19:50: also da kommt die Seele gar nicht hinterher!
00:19:53: Die Seele ist vielleicht noch im Familienalltag in der Arbeitswelt unterwegs.
00:19:58: Vielleicht eher geben sie der Seele etwas Zeit mitzukommen Und starten sie einmal mit langsamen Annäherungen an die Stille.
00:20:06: Okay, das heißt es braucht eine gute Anleitung und einfach ein bisschen mehr Zeit.
00:20:09: Würde ich empfehlen ja!
00:20:13: Jetzt haben Sie mir auch erzählt, dass Ihre Studierenden sich einen stille Café in Basel genauer anschauen oder das nochmal untersuchen?
00:20:20: Was genau ist denn überhaupt ein stilles
00:20:22: Café?!
00:20:23: Wie kann ich mir das vorstellen?
00:20:24: Ja, das ist tatsächlich eine ganz interessante Geschichte.
00:20:27: Es gibt dann eine ganz tolle Studierendegruppe in Freiburg.
00:20:30: Wir machen da sogenannte Lehrforschungsprojekte im Studiengang Heilpädagogik Und die Studierenden wollten dann eigentlich die sogenannte Stille-Stunde, die es in Deutschland auch gibt untersuchen.
00:20:40: Dann kam sie auf die Idee ob es vielleicht möglich wäre in einem Supermarkt in Freiburg eine solche Stille Stunde einzurichten.
00:20:47: und plötzlich hat sich dann aber die Option ergeben in Zusammenarbeit mit diesem Moment Café in Basel einen Stillecafé zu forschen.
00:20:55: Die Studierende untersuchen dort wie die Mitarbeiterinnen und Besuchenden des Cafés dass ja ein stilles Kaffee ist, diese Stille erleben.
00:21:04: Wie sie diese wahrnehmen was das macht mit den Menschen dort.
00:21:07: Also hört man da tatsächlich nur Kaffeetassen klappern oder?
00:21:11: Vielleicht ab und an einen Stuhl der noch verrückt aber Sie werden eingeladen in dieser Zeit in Stille dorthin sein.
00:21:17: Ja genau!
00:21:19: Und wer geht denn dorthIN?
00:21:20: weil ich... wenn ich mir vorstelle, ich gehe ins Café und möchte schon ein bisschen leben um mich herum haben.
00:21:25: Also haben die ihre Studierenden schon was herausgefunden dazu?
00:21:29: Sie stecken noch mitten in der Auswertung.
00:21:32: Ich darf vielleicht so ein bisschen spoilern.
00:21:34: also die Ergebnisse sind sehr vielversprechend.
00:21:36: das es also sehr viele positive Effekte mit sich bringt ja da sind wir dann mehr darf ich glaube nicht verraten.
00:21:44: soweit sind wir noch
00:21:44: nicht.
00:21:45: Es gehen Menschen einfach hin mit etwas mehr stille Sehnsucht.
00:21:49: Die ersten Ergebnisse sind quasi, dass es ihnen gut tut.
00:21:53: Oder Mutige die einfach mal sagen ich probiere das heute mal aus.
00:21:58: Wenn jetzt jemand viel um die Ohren hat mit Arbeit, mit Familie vielleicht Sport und noch irgendwelchen Ehrenämtern haben sie so eine stille Übung, in dem man mal ausprobieren kann um selber zu merken was macht denn diese Stille mit mir?
00:22:11: Ich würde Sie sehr gerne dazu einladen, als ganz kleine Schlichtübung vielleicht einfach einmal zu schauen wo ist denn der stillste Ort in der Wohnung?
00:22:21: In der ich wohne oder im Haus, indem ich lebe.
00:22:24: Oder in nächster Umgebung zu meinem Wohnort oder am Arbeitsplatz?
00:22:29: was macht denn diesen stillen Ort aus und wie fühlt es sich da an Und wenn es sich gut anfühlt, oder vielleicht kann ich noch etwas justieren.
00:22:37: Etwas ändern das ist sich gut anfühlt da mal ein paar Sekunden zu verweilen und am nächsten Tag vielleicht nochmal und vielleicht sind sie dann in einem Monat sitzen Sie damals in fünf Minuten stille.
00:22:49: also wir sind ganz kleine Momente die wir vielleicht als Alltags Praktiken in unsere Lebenswelt mit aufnehmen können und dass sind in der Regel eigentlich schon ganz wirksame Stillen
00:23:01: Das heißt, es mit einem positiven Ort verbinden hilft.
00:23:04: Also jetzt nicht so sehr in der Küche bleiben und einfach das Radio ausschalten oder Podgy oder so weiter Ausschalten sondern wirklich sich einen extra Ort suchen.
00:23:16: wenn man sagt da fühle ich mich wohl, da probiere ich's mal aus.
00:23:19: Das kann aber die Küche sein!
00:23:21: Wenn Sie gerne in der Kirche sind vielleicht fühlen sie sich da wohl Aber sie liegen völlig richtig, ja zu diesen Stillenort zu gestalten und vielleicht meine Stile meinen stillen Ort zu finden.
00:23:32: Und somit eigentlich auch meine persönliche Stille Zugang dazu zu finden denn es gibt eben nicht diese für alle passende eine Stille Es gibt verschiedene Stilen
00:23:44: Für alle.
00:23:44: Stille finde ich auch nochmal interessant.
00:23:46: das wollte ich nämlich auch gerne ansprechen so dieses gemeinsame Schweigen.
00:23:49: also mir fallen da zum Beispiel schweige Gedenkminuten ein die man zusammen Begeht.
00:23:56: oder dann gibt es auch Silent Reading und Silent Disco, wo jeder seine eigene Musik auf den Ohren hat.
00:24:03: Und die anderen hören nichts davon oder wissen nicht was derjenige liest.
00:24:06: Aber man macht das gemeinsam an einem Ort, finde ich spannend.
00:24:10: Mir fallen auch die Gebete im Stil von TC, dieser ökumenischen Gemeinschaft ein.
00:24:16: Da gehören auch ein paar Minuten stille immer zu jedem Gebet dazu.
00:24:20: Ich find diese Momente oft sehr intensiv so zusammenzuschweigen, zusammen still zu sein.
00:24:28: Haben Sie solche Momente auch schon mal erlebt?
00:24:31: Oh ja!
00:24:32: Mir fällt dazu ein Beispiel ein.
00:24:34: Neben der Psychotherapie schätze ich auf die Musiktherapie sehr und ich denke gerade an eine Gruppenmusiktherapiesituation in einer Klinik wo ich das Glück hatte dass sich da mit den Patientinnen und Patienten arbeiten durfte und wir haben gemeinsam eine Gruppenniprosession an Instrumenten durchgeführt und ohne dass wir es vereinbart hatten, haben plötzlich alle im selben Moment aufgehört.
00:24:58: Und das war still!
00:25:00: Das traute sich aber niemand diese Stille zu durchbrechen.
00:25:03: Es war so ein magischer Moment, sodass im Anschluss auch die Rückmeldung kamen, na ja vielleicht war die Stille sogar bedeutsamer als die Musik, die davor gelungen ist... Denke auch noch.
00:25:15: Wie hat sich das angefühlt, diese Stille nach diesem Musikstück?
00:25:18: War es dann so eine peinliche Stille oder war es ein angenehmer Zauberhafte?
00:25:23: Wir hatten da nach einigen Momenten des Abstands darüber gesprochen und es war für die meisten Teilnehmenden eine sehr berührende Stille.
00:25:32: Und diese gemeinsame Leben zu dürfen nehmen haben wir wieder verbunden sein mit anderen.
00:25:37: Das war etwas sehr tiefgegreifendes.
00:25:41: Vielleicht mir fallen auch noch die Silent Walks ein.
00:25:44: Sie hat es nicht so wunderbar aufgezählt.
00:25:46: Also wenn Menschen zusammen in Stille spazieren gehen, das nimmt gerade ziemlich Fahrt auf diese Silent Walks und ich habe das Glück dass sich eine Doktorierende betreuen darf, Christine Stolterfoth die untersucht in Freiburg jetzt gerade die Implementierung, die Einbindung von Stille-Praktiken im universitären hochschulischen Alltag für Mitarbeiter und Studierende.
00:26:11: und die machen solche Silent Walkes oder kleine Stillemomente in der Mittagspause, vor der ersten Vorlesung.
00:26:20: Also wo es darum geht wie können Stile praktiken zur Stressprävention und Gesundheitsförderung im akademischen Alltag beitragen?
00:26:29: Spannend also.
00:26:29: das heißt schweigen beim gemeinsamen Laufen.
00:26:33: Wo würden Sie denn gerne selbst noch mal Stille ausprobieren?
00:26:36: vielleicht an einem besonders lauten Ort oder an einem Ort der super still ist?
00:26:41: Vielleicht können wir anknüpfen nach die Bibelstelle, in die sie gerade vorher eingeflochten haben.
00:26:47: Ich denke da nämlich immer auch an Exodus – Die Wüste!
00:26:51: Also der Stille des Wandels...
00:26:53: Auszug aus das Klaverei oder was unfrei macht?
00:26:58: Ja
00:26:59: und so die Stille vielleicht auch als eine Phase des Übergangs, des Durchhaltens dem Mut zu haben durchzugehen.
00:27:05: Eine Stille in der Wüse würde ich gerne noch erleben.
00:27:09: Okay, also an einem schon sehr stillen Ort wahrscheinlich.
00:27:12: Wer weiß ganz still wird es ja nie!
00:27:15: Vielen Dank Ihnen fürs Gespräch und dann viel Erfolg noch
00:27:18: beim Erforschen der Stille.
00:27:19: Ich danke für die Einladung.
00:27:23: Übrigens Alpha & Omega mehr als du glaubst ist ein gemeinsames Format der katholischen Bistümer Rottenburg-Stuttgart und Freiburg Und des evangelischen Medienhauses Stuttgart.
00:27:33: Zusehen sind die Sendungen bei den privaten Fernsehsendern in Baden-Württemberg auf BibelTV und auf YouTube.
00:27:40: Weitere Infos gibt's unter kirchenfernsehen.de und redaktion-kipp.de.
00:27:46: Wenn ihr Fragen, Wünsche und Feedback habt schreibt uns gerne an podcastat kipp minus radio.de.
00:27:53: Und wenn euch diese Folge rund um stille Forschung gefallen hat wie wärs mit der Podcastfolge zweihundertachzehn?
00:28:00: sie heißt stille Nacht stille Not wege aus der Einsamkeit.
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