#256 Ein Jahr lang Schweigen? Warum der Stuttgarter Daniel Beerstecher es gewagt hat

Shownotes

Nicht reden - ein paar Tage lang - das ist schon schwer. Daniel Beerstecher aus Stuttgart hat es 365 Tage lang probiert. Er sagt: Reden wird überbewertet. Warum – und wann macht Schweigen das Leben besser? Darüber spricht Caroline Haro-Gnändinger mit ihm.

Weiterführende Links:

https://danielbeerstecher.de/ https://stillefinden.org/schweigekloster-deutschland/

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00:00:02: Eine halbe, dreiviertel Stunde oder manchmal auch eine Stunde, dass da wirklich niemand reinredet und keine Kommentare gibt.

00:00:10: Keine Ratschläge usw.

00:00:12: Das kommt eigentlich fast nicht vor.

00:00:13: Und was das dann mit den Menschen macht wenn sie diese Erfahrung machen können?

00:00:18: darum liegen es mir eigentlich so ein bisschen.

00:00:20: Hallo, ich bin Carolin Harrognendinger.

00:00:22: Bei Alphond Omega geht es jetzt um einen Künstler.

00:00:25: Er hat das Experiment gewagt dreihundert fünfundsechzig Tage lang durchgehend also fast durchgehen zumindest zu schweigen und dabei viele verschiedene Menschen zutreffen.

00:00:36: Daniel Baerstecher

00:00:38: aus Stuttgart.

00:00:39: Warum?

00:00:40: Was hat er erlebt?

00:00:41: Und wann macht schweigendes Leben besser?

00:00:43: Daum geht's!

00:00:44: Zu sehen gibt's unseren Talk auch, alles dazu in den Show-Notes.

00:00:48: Und jetzt erst mal zum Hören und los gehts!

00:00:54: Also sie waren schweigend auf Wandertour – auch bei Schnee durch ganz Deutschland.

00:01:02: Jetzt würde ich mich als Erstinteressieren haben denn in ihrem Umfeld alle gesagt ach ja ein Jahr schweigen das passt total gar kein Problem?

00:01:10: Die könnten es alle erstmal gar nicht nachvollziehen warum ich das machen will und vor allem nicht so lange.

00:01:16: Wenn es ein Monat gewesen wäre, hätten wir wieder noch gesagt, schon lange aber ein Jahr konnte niemand

00:01:22: nachvollziehen.".

00:01:25: Und ja Sie sind ja Künstler und Achtsamkeitslehrer aus Stuttgart haben schon mehrmals besondere Wanderaktionen gemacht durch die Wüste zum Beispiel auch schon mal.

00:01:36: Warum jetzt wandern?

00:01:38: Dann dazu schweigen und dann auch noch einen Jahr

00:01:41: lang!

00:01:42: Also zuerst mal war die Idee da ein Jahr lang zu schweigen.

00:01:45: und die Idee kam darf durch, dass ich das Gefühl hatte, die Welt wird immer lauter.

00:01:51: Und dem wollte ich was entgegensetzen.

00:01:52: so meine Stille.

00:01:54: und dann kam dieser Aspekt des Zuhörens dazu, dass sich gedacht habe einfach jetzt nur einen Jahr lang schweigend, dann kann ich auch ins Kloster gehen aber dass daraus ein rundes Kunstprojekt wird war der Idee den Leuten, denen ich begegne zuhören würde.

00:02:14: Und dann hat sich das weiterentwickelt.

00:02:16: und dann war so die Frage okay jetzt an einem Ort ein Jahr lang zu sitzen und vielleicht kommt dann nachher irgendwann gar niemand mehr und will mit nichts mehr erzählen?

00:02:25: Und so kam die Idee dass ich mich durch Deutschland bewege und zur Institution gehe oder den Menschen zuhöre den ich begegne.

00:02:32: Und dann

00:02:33: kam es zu dieser ganzen Tour durch ganz Deutschland.

00:02:35: und jetzt dieser Aspekt, die Welt wird immer lauter.

00:02:38: an welchen Momenten haben Sie das gemerkt?

00:02:42: Na ja man muss nur die Nachrichten anhören und gucken was politisch abgeht oder dem Demokratien geht usw.. Und dass ich auch das Gefühl habe, dass die Menschen immer mehr ins Straucheln geraten.

00:02:58: Also so ein großes Unwohlsein da ist und genau diese Dinge, die da zusammenkommen hinterlässt bei mir einen Gefühl oder dann zu Politiker wie Trump oder sowas, die Medien bedienen und eine Nachricht nach der anderen raushauen und dem einfach was ruhiges entgegensetzen.

00:03:19: Also schon auch so ein politischer Gedanke im Hintergrund?

00:03:23: Jetzt sind sie ja zu Fuß gegangen.

00:03:25: Allein das ist schon ein Abenteuer und wir sehen jetzt hier auch mal eingeblendet die Tour, es ging ja von Stuttgart aus Richtung Norden dann auch Richtung Ostdeutschland ganz in den Süden und wieder zurück im Juni.

00:03:39: sind Sie jetzt zurückgekommen.

00:03:42: Wie ist es denn regional unterschiedlich?

00:03:44: Also ich kann mir vorstellen, jetzt in der Großstadt in Berlin waren sie auch.

00:03:48: Aber dann zum Beispiel auch im Schwarzwald auch in kleineren Orten reden und schweigen da die Menschen unterschiedlich viel.

00:03:57: Es war anders als ich es mir vorgestellt habe.

00:03:59: Ich bin z.B.

00:04:00: davon ausgegangen dass wenn ich nach Nordrhein-Westfalen komme das dort die Leute sehr gesprächig sind wofür sie bekannt sind.

00:04:08: Wenn ich da auf der Straße war, dann ist da relativ wenig begegnet oder passiert.

00:04:13: Weil ich die Leute ja nicht direkt gegrüßt habe und ich glaube es ist dann eher so dass wenn der eine hallo sagt und der andere sagt wie geht's?

00:04:21: Und dann ist das schon in den Anfang von einer Kommunikation.

00:04:23: aber da ich vielleicht nur ein numberball gekrüsst hab sind die Leute darauf nicht so... eingegangen.

00:04:30: Und dann zum Beispiel in Osten war es so, dass wenn ich nichts gesagt habe, dass die dann einfach los geredet haben vielleicht weil die Leute an sich stiller sind und es gewöhnt sind das da nicht sofort was zurückkommt, dass man da erstmal loslegen muss bevor der andere sich öffnet und dann haben sie manchmal zwei drei Minuten gar nicht bemerkt, dass ich im Schweigen bin.

00:04:51: Auch spannend also schon auch anders als wir erwartet haben.

00:04:55: Jetzt gab's ja auch so ein Zuhörraum habe ich gesehen, in München.

00:04:59: Also auch ganz spezielle Orte oder sie waren auch an Klöstern zum Beispiel haben Sie Stationen gemacht also sie haben Dinge auch, also Orte vereinbart aber eben auch spontanes hat sich ergeben.

00:05:12: ja und dieser Zuhörraum das ist auch noch mal ein spannender Ort finde ich.

00:05:16: Ja es gibt mittlerweile in Deutschland immer mehr Orte wo sich Leute finden die sagen Es gibt zu viele Menschen die einsam sind, die niemand mehr haben der ihnen zuhört.

00:05:28: Und in München ist es durch zwei Leute entstanden, die sie im kleinen Raum gegründet haben.

00:05:34: Wo vierzig Stunden in der Woche Erdenamtliche drinsitzen und einfach da sind um den Menschen zuzuhören und das wird wirklich gut in Anspruch genommen.

00:05:45: Ja Sie sind allein manchmal unterwegs gewesen mit ihrem Zelt zum Beispiel aber haben eben auch ganz viele Menschen so getroffen mehrere hundert haben sie mir gesagt Und ja, waren das eben vor allem Menschen die schon viel mit Schweigen anfangen konnten?

00:06:00: Also die da ... Sie sind Schweigeraum schon gekannt haben.

00:06:04: Oder eben Menschen, die einfach mal reden wollten ohne dass sie dauernd jemand unterbricht?

00:06:11: Also man kann es überhaupt nicht pauschal sagen.

00:06:14: Die Leute waren total unterschiedlich.

00:06:16: Es gab natürlich Leute, die Erfahrungen hatten weil sie schon irgendwelche Exerzitien mitgemacht haben oder irgendwelche schweige Retreats.

00:06:27: Und dann gab es aber einfach Leute, die neugierig waren was da passieren könnte.

00:06:32: wenn ich jetzt auf jemand treffe der nicht antwortet?

00:06:35: Was macht das mit mir selbst zu?

00:06:36: was erzähle ich dem überhaupt?

00:06:40: Dann auch diese Motivation was mich dazu treibt und wie fühlt sich das an?

00:06:47: also dass das die Neugierde geweckt hat Für manche Leute war auch gar nicht so wirklich, also wenn ich dem Leuten zufällig auf der Straße begegnet bin.

00:07:00: Dann war denen gar nicht klar was da los ist.

00:07:02: und dann habe ich den so ein kleines Kattchen gereicht wo das Projekt überhaupt erst mal in wenigen Sätzen drauf erklärt worden ist.

00:07:10: Und dann konnten die darauf reagieren oder sagen ne hab' ich jetzt gerade keine Lust irgendwas zu erzählen

00:07:16: Sie hatten ja auch einen Stab dabei und damit konnten sie auch so ein bisschen steuern, wer ihnen etwas erzählt.

00:07:22: Vielleicht auch wie lang oder?

00:07:23: Also das war so ein Redestab.

00:07:26: Ja,

00:07:28: denn hatte ich dann für die Leute... also man konnte mich auch von einem bis mehrere Tage begleiten und wenn ich jetzt eine Begleitung dabei hatte, dann war der Redestabs sozusagen das Zeichen.

00:07:41: Jetzt schenke ich dir mal eine ganze Aufmerksamkeit und das solange die Personen hatte, war ich komplett bei der Person.

00:07:47: Und wenn sie dann nichts mehr zu sagen hatte, konnte sie ihn zurückgeben.

00:07:51: oder ich habe das jetzt nicht strikt gehandhabt sondern die Personen, wenn es was Wichtiges gab, konnte sich trotzdem sprechen.

00:07:58: aber das macht ein anderes ist ein anderes Gefühl weil man weiß okay Jetzt bin ich wirklich dran zum Reden bekommen ich die ganze Aufmerksamkeit.

00:08:10: Ja, wir kommen auch nach und einmal auf das Thema richtig zuhören da ist es so was zum Beispiel auch noch mal spannend also wie der Anteil vom höheren Reden usw.

00:08:21: Und sie haben ja auch Klöster besucht unter anderem das sind ja eh schon so Orte die man mit Schweigen verbindet oder?

00:08:33: Also ich war in mehreren Klöstern und habe auch bei vielen Kirchen.

00:08:39: Und da war eigentlich das spannende, auch tiefste Begegnung mit den Mönchenden und Nannen.

00:08:49: Auch eine Vorbereitung hatte ich mit denen einiges zu tun aber jetzt nicht nur christliche Nannen und Mönche sondern eben aus dem Sennen oder aus dem Buddhismus usw.. Ich habe sehr viele Fragen im Vorfeld gehabt, was mich da erwartet.

00:09:06: Ja Sie haben sich auch ich glaube ganze anderthalb Jahre vorbereitet auf dieses Jahr und diese Mönche und Non haben Ihnen auch ein paar Tipps mit auf den Weg gegeben?

00:09:16: Also die konnten alle nicht verstehen warum ich komplett schweigen will weil es gibt wahrscheinlich irgendwelche buddhistischen löste im Himalaya, wo sich Leute ganz zurückziehen für ein, zwei, drei Jahre oder so was.

00:09:31: Aber in unserem Kulturkreis gibt es das gar nicht und die haben ja eigentlich alle dazu geraten einen weißen Schweigen zu machen.

00:09:38: Also

00:09:40: quasi entspannt anzugehen und sich nicht zu streng dranzuhalten, schätze ich mal?

00:09:46: Genau!

00:09:48: Das war sehr interessant diese Diskussion weil sie wollten natürlich auch wissen warum ich das machen möchte usw.. Aber es gab auch schöne Kommentare, dass zum Beispiel ein ... wenn ich hat mir dann geschrieben, kurz bevor's losging.

00:10:04: Dass sich jetzt für einen Jahr lang in der Muttersprache Gottes unterwegs sein wird und ...

00:10:09: Schönes Bild!

00:10:11: Diesen Satz, der ist mit mir ein Jahr lang mitgelaufen.

00:10:15: Und dann hab' ich so ganz langsam erst erlaufen, sag' ich jetzt

00:10:20: mal.

00:10:22: Jetzt haben sie ja auch nicht komplett einfach nur geschwiegen, sondern sie haben geschrieben also auf so eine kleine Tafel.

00:10:29: Sie haben auch ein Blog im Netz geschrieben und haben ja auch mit Mimik und G-Stick reagiert Und die Menschen haben ihnen dann schönes und schweres wahrscheinlich erzählt.

00:10:41: Also gibt es auch so ein zwei Geschichten an diese sich ganz gerne erinnern.

00:10:48: Also es waren komplett unterschiedliche Dinge, die die Leute erzählt haben und es gab ja vielleicht um diese Spannweide zu erklären.

00:10:59: Es gab zum Beispiel einen Mann der in der DDR wahrscheinlich in einem Stasi-Gefängnis länger saß und von seiner Zeit ... also die Begegnung war schon sehr... wie kann man sagen?

00:11:18: Zufällig oder vielleicht auch nicht zufällig.

00:11:20: Er ist neben mir mit dem Fahrrad gestürzt und es gab keinen Grund, warum er gestürzte.

00:11:29: Und dann habe ich ihm ein Kärtchen gereist und er hat sich vielleicht verletzt und habe ihn so ein bisschen verarztet.

00:11:34: und irgendwann hat er gemeint das ist jetzt kein Zeichen.

00:11:36: und dann hat er seine Geschichte aus einem Gefängnis erzählt und dass er da eben mit dem Schweigen konfrontiert worden ist und dass ihm Leute gegenüber saßen, die ihn nicht geantwortet haben.

00:11:49: Und bei mir war das aber so ein ganz anderes Schweigenen, offener Schweigen.

00:11:53: Das hat sozusagen zu dieser Geschichte von ihm geführt, die sehr tief gegangen ist.

00:11:59: Eine andere Sache des totale Gegenbeispiele war, dass eine Frau mit ihrem Mann zusammen an einer Station, wo ich zugehört habe gekommen ist ... mich als Zeugen dabei haben, wie sie vor ihrem Mann sagt, wie Sassy ihn liebt und wie wichtig er im Leben ist.

00:12:20: Und er war total gehört zu dem dran!

00:12:24: Zwischendrin gab es aber alles.

00:12:26: also das war jetzt auch nicht nur negativ sondern sehr viel positiv schönes Motivierendes.

00:12:32: Das ist noch mal was anderes vor jemandem, so etwas auszusprechen wie die Liebe.

00:12:37: Abgesehen davon, dass man sich das gegenseitig sagt und bei diesem Mann mit dem Stasi-Gefängnis ist natürlich noch einmal diese negative Seite auch vom Schweigen, die es natürlich auch geben kann, gell?

00:12:48: Gab's denn auch Menschen, die sich zum ersten Mal ... also eine Geschichte zum ersten mal bei ihnen erzählt haben ein bisschen beichtstuhlmäßig oder Taxifahrer-Syndromäßig?

00:13:00: Also wenn dann haben sie es mir nicht gesagt Ich kann es jetzt nicht ausschließen, weil schon einige sehr intime Geschichten dabei waren.

00:13:08: Wo ich das Gefühl habe die würden nicht täglich erzählt sein oder auch vielleicht Dinge, die lange angestaut sind aber ich weiß jetzt nicht ob ich der erste war.

00:13:20: Würden Sie's auch so ein bisschen als vielleicht auch Seelsorge sehen?

00:13:23: Das waren ja Menschen, die sie gar nicht gekannt haben zum Teil vorher.

00:13:26: Seelsorge oder vielleicht auch ein Stück weit Therapie dieses Aussprechen können.

00:13:31: Also Therapie würde ich jetzt nicht erst zählnsorge und für mich selber war eigentlich viel wichtiger der Aspekt, dass die Leute mal eine Erfahrung machen wie es ist wenn ihnen wirklich jemand zuhört.

00:13:45: Ich glaube das kennen wir heute ganz wenig.

00:13:47: also vielleicht hat jeder Mal in seinem Umfeld eine Person wo man das Gefühl habe der ist ganz da aber es kommt immer weniger vor ganz bewusst ist und dann auch über einen längeren Zeitraum eine halbe, dreifel Stunde oder manchmal auch ne Stunde.

00:14:04: Dass da wirklich niemand reinredet und keine Kommentare gibt, keine Ratschläge usw.

00:14:11: Das kommt eigentlich fast nicht vor.

00:14:12: Und was das damit den Menschen macht wenn sie diese Erfahrung machen können darum ging es mir eigentlich so ein bisschen

00:14:18: Stimmt, mir fällt auch direkt jemand ein.

00:14:21: Es sind wirklich so einzelne Leute und man merkt die können es besonders gut.

00:14:25: Aber auch da im Nachher gibt's wahrscheinlich auch eins oder zwei Tipps von ihnen.

00:14:30: Jetzt das erste Wort, dass sie nach diesem Jahr gesprochen haben war Danke.

00:14:35: Wofür sind Sie so nach diesem Ja vor allem dankbar?

00:14:41: Nach diesem Wort-Danke habe ich eine ganze Aufzählung von Dingen gemacht, den ich dankbar bin.

00:14:46: Also zuerst mal meiner Frau war ich sehr dankbar dass sich dieses Jahr machen konnte und das sie mich nach ihren Möglichkeiten unterstützt hat.

00:14:54: Es gab wahnsinnig viele Leute die mir ihre Geschichten anvertraut haben.

00:14:59: auch dafür war ich dankbaar für diese wahnsinnige Vertrauen, für die ganze Unterstützung die ich gekriegt hab, Wo ich schlafen konnte, es gab viele Leute die Geld gespendet haben.

00:15:14: Also gerade im Winter zum Beispiel ... Ich hatte mein Budget war sehr klein und sonst hätte ich im Zelt schlaven müssen.

00:15:21: Es gab viele Menschen, die mir ein Hotel gesponsert haben aber auch meinen Füßen dankbar waren dass sie mich ... Drei tausend fünfhundert Kilometer durch Deutschland getragen haben oder meinem Wanderstock das er mir halt gegeben hat und dass ich gemerkt habe, dass diese Dankbarkeit mich auch ein Stück weit getragen hat durch dieses Jahr.

00:15:44: Wenn ich mich auf all die schwierigen Sachen, die parallel stattgefunden haben und mich darauf fokussiert hätte, dann wäre das ja ziemlich hart gewesen.

00:15:52: Aber wenn ich den Raum öffnen konnte für alle die schönen Dinge, die passiert sind, für alle Begegnungen, dann war es viel einfacher!

00:16:01: Was ich jetzt auch schön fand, Sie haben jetzt auch Ihre Frau erwähnt.

00:16:04: Ich glaube auf Ihrem Blog steht es auch, dass Sie mal ganz kurz das Schweigen unterbrochen haben für Ihre Frau zum runden Geburtstag.

00:16:11: Das war wahrscheinlich der einzigste Moment wo sie doch mal ganz kurze dieses Schweigen gebrochen habe oder?

00:16:16: Ja also das war Ihr Geburtstagsgeschenk zum fünftigsten, wo ich ja auch nach Hause gehe gekommen bin und eigentlich hatte sie vor, nach Italien zu gehen.

00:16:27: Und dort Urlaub alleine zu machen weil ich ja auf meinem Projekt war und das hat dann irgendwie nicht funktioniert.

00:16:33: Eigentlich wäre ich ihr heimlich gerne nach Italie nachgereist und wäre dort auf und wie gesagt hat mich stattgefunden.

00:16:41: Dann bin ich zu Hause aufgetaucht und habe einen Tag Reden geschenkt.

00:16:48: Besonderes Geschenk!

00:16:50: Jetzt gab es aber wahrscheinlich auch Momente wie z.B.

00:16:54: Zelten im Schnee, also im Winter draußen und ja ich glaube auch noch mal eine Situation bei einem Luxushotel wo sie so fast aus Versehen mal waren und enttäuscht von diesem Ort waren.

00:17:07: Also in welchen Momenten haben Sie gedacht Moa reden wir jetzt irgendwie doch ganz schön?

00:17:13: Wenn ich jetzt zum Beispiel so im Winter in meinem Zelt war dann wäre das Reden gar nicht so wichtig gewesen.

00:17:19: am meisten habe ich es vermisst, das Reden.

00:17:24: Wenn ich das Gefühl habe jetzt würde ich der Person gerne helfen irgendwas mit auf den Weg gehen und dadurch dass ich ja nicht komplett nicht kommuniziert hab sondern geschrieben habe weiß ich natürlich auch in den Situationen wo ich dann doch ein paar Seiten mal geschrieben habe dass das die Situation gewesen wäre wo ich gerne dem Menschen beigestanden werde.

00:17:46: also gerade wenn sie mir irgendwas schweres erzählt haben Und ich hätte Tipps gehabt oder sonst was, da war es wirklich schwer.

00:17:55: Und auch diese Schreiben auf dieser Tafel war dann nicht dasselbe wie wenn man's ausspricht?

00:18:01: Also es hat funktioniert und das war auch deshalb schön weil ich mich trotzdem sehr zurückhalten musste und die Leute mussten noch ganz viel warten bis sich überhaupt geschrieben habe und in der Zeit wo sie warten mussten bis mein Text fertig war ist bei denen in Kopf oft weiter gelaufen.

00:18:19: Und die haben dann oft selber in der Zwischenzeit Antworten gefunden, und von daher war manchmal das gar nicht mehr so wichtig, was ich aufgeschrieben habe, weil sie selbst schon wieder zu einem Punkt gekommen

00:18:29: sind.".

00:18:31: Komm wir mal zur dem Zuhören lernen auch?

00:18:34: Ich hab mir gedacht aus dem Bauchhaus sagen bestimmt ganz viele Menschen, na ja eigentlich hör ich doch anderen zu, ganz gut zu!

00:18:42: Wenn nicht, wenn ich vielleicht müde oder Einfach abgelenkt, ich kann ja auch nicht dauernd immer jemandem zu reden.

00:18:48: Vielleicht redet auch jemand einfach so viel am Stück?

00:18:51: Also wann merke ich denn, dass ich wirklich gut zuhöre, so wie Sie es verstehen?

00:18:57: Wirklich gut zuhören tut man wenn man sich keine Gedanken darüber macht was ich jetzt gleich antworte Wenn ich nicht gleich innerlich kommentiere ob ich das gut finde oder schlecht sondern wenn ich komplett präsent bin bei der Person und... Wirklich eine Sache, die sehr schwierig ist.

00:19:19: Es gibt meistens erste Worte, von denen wird man getrickert und dann geht es sofort im Kopf los.

00:19:27: Wo kann ich jetzt einhagen?

00:19:29: Was kann ich dazu sagen?

00:19:32: Ab diesem Moment ist man nicht mehr präsent.

00:19:34: Also nur noch teilweise präsente.

00:19:36: Und deshalb entgeht einem viel was der andere gerade sagt.

00:19:40: Das ist eine Übungssache.

00:19:42: Leute, in der Seelsorge sind oder auch Menschen, die es sehr gut verhandeln können.

00:19:50: Haben zum Beispiel die Fähigkeit dass sie sehr präsent sind und einfach dann anschließend frei reden ohne das ist sich vorher Gedanken gemacht haben was Sie antworten.

00:20:01: Das heißt Es hat schon große Vorteile also dass ich einfach mehr von dem anderen mitbekomme und dadurch auch besser reagieren kann.

00:20:11: Also, es hat in vieler Hinsicht Vorteile.

00:20:14: Erstens mal fühlt sich die Person wirklich gehört und dadurch entsteht eine viel größere Verbindung, weil man sich ernst genommen fühlt.

00:20:23: Das klassische Beispiel ist für mich der Arzt zu dem man in die Sprechstunde kommt.

00:20:30: Der sagt so erzählen Sie mir mal kurz bitte was los ist und eben gleich schon die Diagnose eintippt und vielleicht noch irgendwie den Termin abhakt oder sonst was?

00:20:40: Gefühl, dass ich gut aufgehoben bin.

00:20:42: Aber wenn das sich mir zuwendet und mich anhört und aussprechen lässt dann habe ich das Gefühl da kann mir wirklich helfen.

00:20:52: Welche Tipps fürs Zuhören haben Sie denn tatsächlich?

00:20:56: Also eben dieses Unterdrücken vom direkt Antworten des Ebenes wäre super schwer.

00:21:01: also was wie schaffe ich das denn?

00:21:04: Man könnte jetzt zum Beispiel mit einem Freund oder so Mit dem Partner oder der Partnerin könnte man jetzt zum Beispiel einfach so eine Diade bewusst voranstalten, dass man sagt okay du redest jetzt mal drei Minuten am Stück und ich höre nur zu ohne zu kommentieren.

00:21:20: Und anschließend tauscht man das.

00:21:23: Wenn man das ein paar Mal übt, dann passiert wahnsinnig viel.

00:21:26: wenn man einfach den anderen Raum gibt und da gibt es noch eine Steigerung, dass er wiederholen muss was der andere gesagt hat Wenn ich mir zu viele Gedanken mache, was sich antworte, dann kann ich mir nicht merken, was der andere alles erzählt.

00:21:40: Also wenn man das noch einbaut ist, dass man dann zwei Minuten wiederholt, was die andere erzählt hat?

00:21:47: Und also dieses Üben im privaten Raum ... Das kann auch schon so in Alltagssituationen einiges verändern.

00:21:54: Auf jeden Fall!

00:21:55: Mhm.

00:21:57: So von der Reaktion her, also wenn mein Gegenüber komplett schweigt und nicht so ein bisschen Dynamik ins Gespräch bringt.

00:22:05: Fühlt sich das auch nicht so ... ja, so üblich an?

00:22:09: Oder es bringt ja auch was in's Gespräch, wenn ich merke, der andere fragt nach.

00:22:12: Da bricht mich mal an einer bestimmten Stelle.

00:22:15: Aber sie sagen nee, das kann man mal weglassen weil auch andersrum noch besser funktioniert.

00:22:21: Also es kommt auf die Arde schweigen an!

00:22:24: Und es gibt ein zugewandtes Schweigen.

00:22:27: Also dann bin ich einfach total präsent, schau den anderen an, die Spiegelneuronen reagieren auf das was der Gegenüber sagt.

00:22:38: also wenn da ganz viel Traurigkeit da ist oder sonst was, dann konnte sogar sein dass mir eine Träne runter geht gekollert ist.

00:22:46: Und dann kriegt der andere mit, dass man da ist und es gibt so ein abgewandtes Schweigen wo man sich verschließt wo ich nichts mit dem anderen zu tun haben will und auch nicht präsent bin und nicht zuhöre.

00:22:58: das ist was ganz anderes.

00:23:00: und von daher wenn man dieses zugewandte schweigen macht und jetzt zum beispiel sagt okay ich meine frau einfach mal mehr raum geben oder meine Mutter, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe und da einfach mal versucht ein bisschen in sich zu gehen.

00:23:18: Das funktioniert.

00:23:20: Und dann ist es dieses viel reden oder eher schweigen.

00:23:24: also gut Sie sagen das gibt da verschiedene Arten zu schweigern.

00:23:27: aber ja das ist auch immer Typ Sache.

00:23:31: oder wenn sie jetzt sagen reden wird überschätzt gilt es auch ein bisschen unterschiedlich, je nach Typ und Gewohnheit der Person oder?

00:23:40: Ja.

00:23:40: Also es gibt Menschen die an sich relativ ruhig sind Und auch bei denen würde ich jetzt wiederum unterscheiden.

00:23:48: Es gibt hier Menschen, die sehr in sich gekehrt sind und sehr mit sich selbst beschäftigt sind Die hören nicht wirklich zu weil sie sich die Gedanken um sich selber drehen.

00:23:58: Und es gibt hier ruhigen Menschen zum Beispiel die ganz präsent sind.

00:24:02: Und für die Leute, die eher bei sich sind würde ich sagen sie sollten mehr reden und mehr dran teilnehmen.

00:24:11: Und andersherum bei den Leuten, die sehr viel reden, die sollten auf jeden Fall ein bisschen mehr Raum den anderen lassen, dass die sich mitteilen

00:24:19: können.

00:24:20: Jetzt habe ich auch noch um das Thema Schweigen weiterzukommen gelesen Also bei einem Klosern-Oberschwaben, die bieten z.B.

00:24:30: Schweigerauszeiten an und da stand auf deren Homepage ein Satz, den ich interessant fand.

00:24:35: Da in der Stille innere Prozesse in Gang kommen ist eine gewisse psychische Belastbarkeit notwendig.

00:24:41: also ja so ganz ohne ist wenn man so im extremen threehundsechzig Tage das mal ausprobiert ist sowas wahrscheinlich auf jeden Fall notwendig.

00:24:52: aber auch für ne Woche würden sie sagen da muss man gucken Passt diese Stille ganz gut zu mir?

00:24:58: Also man sollte zumindest in Ansätzen mit sich selber im Klarkommen.

00:25:05: Und wenn man das nicht tut, wenn da ganz viele Dinge hochkommen dann kann die Stille kontraproduktiv sein und wenn dann niemand da ist der ihn auffangen kann Das sind ja keine psychologischen Einrichtungen Da sollte man vorsichtig sein.

00:25:27: Und letztendlich ist die Stelle wie so ein Raum, wo man mit sich selber in Begegnung kommt und wenn man sich selbst diese Erfahrung zutraut zu schauen was da alles hochkommen mag ist das sehr gut.

00:25:42: aber wenn dazu große Sorgen da sind dann sollte man ganz langsam einsteigen.

00:25:47: Und zu diesem langsam Einsteigen also wenn ich sag Ich will mal schauen, ob das was für mich ich schweigen und mal diese Stille aushalten.

00:25:58: Und schauen, was kommt da so?

00:25:59: Was kann ich da konkret im Alltag machen?

00:26:02: also mir vielleicht Orte oder Zeiten schaffen?

00:26:04: Was würden Sie da empfehlen?

00:26:06: Also zum Beispiel spazieren gehen ohne dass man sich sofort etwas auf die Ohren setzt und ganz präsent ist auch merkt, was einem alles durch den Kopf geht.

00:26:18: Aber das geht mit jeder Tätigkeit.

00:26:20: also man kann auch kochen ganz präsentzer und erstmal das radio ausschalten und einfach gucken was passiert oder auch die Wartezeit auf dem Bus nicht sofort das Handy rausholen und sich ablenken sondern einfach mal das als eine bewusste Pause zu nutzen.

00:26:38: Und wer tiefer einsteigen kann, es gibt mittlerweile Meditationsapp oder Achtsamkeitskurse wo man das einfach auch beigebracht bekommt.

00:26:49: Okay, das war jetzt eine ganze Menge!

00:26:51: Jetzt vielleicht noch so ganz kurz zum Schluss?

00:26:53: Sie haben ja schon mehrere solche besonderen Aktionen gemacht.

00:26:57: was folgt denn als Nichts aus?

00:27:00: Bisher gibt's keine weiteren Pläne.

00:27:02: also ich habe so viel Material gesammelt und ein Jahr ist ne lange Zeit und aus dem ganzen und schönes

00:27:09: Buchwetter.

00:27:10: Vielen Dank, dreiundundsechzig Tage lang schweigen mit guter Vorbereitung!

00:27:15: Das ist möglich, macht bereichert auch ganz viel.

00:27:18: Danke Ihnen fürs Gespräch!

00:27:22: Übrigens, Alpha & Omega mehr als du glaubst – es ist ein gemeinsames Format der katholischen Bistümer Rottenburg-Stuttgart und Freiburg und des evangelischen Medienhauses Stuttgart.

00:27:31: Zusehen sind die Sendungen bei den privaten Fernsehsendern in Baden-Württemberg auf BibelTV und YouTube.

00:27:38: Weitere Infos gibt's unter kirchenfernsehen.de und redaktionminuskipp.de.

00:27:43: Wenn ihr Fragen, Wünsche oder Feedback habt schreibt uns gerne an podcastatkip minus radio.de.

00:27:50: Und wenn euch diese Folge übers Schweigen gefallen hat wie wär es mit der Podcastfolge?

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